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KUNSTMESSEN
Nr. 1 / 2012


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MARTA MELNICZUK

artgala-Melniczuk - Wesendonk 3 Im Treibhaus-Detail

Wesendonk 3
Im Treibhaus (Detail)

 

RUPERT ROSENKRANZ

artgala-Rosenkranz-02-Es werde Licht

Es werde Licht

 

GERT BEYER

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Mandala

 

FRANCESCO
DEMETZ LA RIVES

artgala-Demetz-500 Jahre nach Kolumbus

500 Jahre nach Kolumbus

 

AXEL-ALEXANDER ZIESE

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Die rote Spur

 

JOHANNA OLSEN

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Erster Schnee (Detail)

 

STEFAN LICHTMANNEGGER

artgala-Lichtmannegger - Torso

Torso

 

ANNI HERMANN

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Überwachungsnetze

 


Ingrid Sybille Rott „Die Wirklichkeit kennen - Bekanntes entdecken“
Regensburg-Rott - Lebenszeit
Regensburg – Vom 20. Oktober 2011 bis 20. Januar 2012 zeigt Ingrid Sybille Rott im Verwaltungsgericht Regensburg Öl- und Acrylmalerei sowie Werke in Mischtechnik.
Die Künstlerin, die Mitglied im Oberpfälzer Kunstverein ist, sagt über ihre Kunst: „Lange Zeit habe ich gegenständlich – expressiv gemalt. Die Bilder, die ich heute male, könnte ich betiteln mit: „Die Wirklichkeit kennen, Bekanntes entdecken“.
Die Umgebung und vor allem die Natur dienen mir als Inspirationsquelle: Formen, die sichtbar werden durch sich überlappende Mauern oder Dächer, rauchende Kamine, Pfützen, Wurzeln, Gestein, Wolken, Gischt, Strandgut.
Eine Idee, die einmal ein Bild werden soll, trage ich lange mit mir herum. Irgendwann beginne ich mit einem Spiel mit Farben, manchmal unter Einarbeitung anderer Materialien (Sand, Papier, Draht z.B.). Dabei kommt es mir sehr auf die Farbharmonie an. Ab einem bestimmten Stadium arbeite ich bewusst an der Komposition, der Struktur des Bildes. Es entwickelt sich die anfängliche Idee, die einen Transfer zur Wirklichkeit zulässt. Ich versuche dann, Spannungsmomente einzubauen, wobei ich entstehende Zufälligkeiten gegebenenfalls akzeptiere.
Die Titel drücken meinen Transfer zur Wirklichkeit aus. Sie sind aber keinesfalls bindend, sondern sollen Hilfestellung sein. Wenn etwas anderes in den Bildern gesehen wird, dann ist mein Ziel erreicht. Um mit Picasso zu sprechen: „Nicht suchen soll man in Bildern, sondern finden“.
Biografie: 1938 in Liegnitz/Schlesien geboren. 1958-1964 Studium der Neuphilologie in Würzburg. Auslandsaufenthalte. Latente Beschäftigung mit Malerei. 1964 Staatsexamen. 1964-2001 Referendariat und Lehrtätigkeit an Gymnasien in München, Bad Reichenhall; seit 1966 in Eschenbach i.d.OPf. Seit 1985 künstlerische Ausbildung: vielseitige Kurse an verschiedenen Volkshochschulen. Seminare: Kunstmuseum Bayreuth; Kunstakademie Bad Reichenhall (regelmäßig seit 2006) Plastisches Gestalten, Zeichnen, Seidenmalerei, Keramik, Radierung, Linol-, Holzschnitt, Computergrafik; Aquarell, Acryl, Öl. Entwicklung von der figürlich-expressiven zur abstrahierenden Malerei in Öl und Acryl. Die Ergebnisse lassen meist mehrere Deutungen zu: „Die Wirklichkeit kennen – Bekanntes entdecken“. Zahlreiche Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen im In- und Ausland. Auszeichnungen: 1999 Freizeitkünstler-Ausstellung in Stuttgart. 2002 Lokaler Wettbewerb „Kreuzkirche“ in Eschenbach. 2010 Bronzemedaille des Oberpfälzer Kunstvereins. 2010 Silbermedaille beim 13. Offenen Kunstpreis der Mitteldeutschen Jean-Gebser-Akademie Leipzig
Ingrid Sybille Rott lebt heute in Eschenbach i.d.OPf. und in Uffing am Staffelsee.
Abb.: LEBENSZEIT – DURCH LICHT IN DIE NACHT, Acryl/Leinwand, 70 x 50 cm

 

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Walter Herzog – Grafik und Zeichnungen
Bad Frankenhausen - Walter Herzog – ein feinfühliger, sensibler und minuziöser Beobachter, der in unspektakulären, leisen und romantisch anmutenden Grafiken, erinnernd an Caspar David Friedrich, ein scheinbares Abbild gesehener Realität schafft, denen jedoch ein tiefgründiges Sinnbild innewohnt.
Die Landschaftsradierungen von Walter Herzog bieten keinen Ausblick, keine Weite oder Überschau. Vielmehr sind es Einblicke, Nahaufnahmen und Details, die er präzise und feinsinnig auf die Kupferplatte bannt. Häufig sind es einzelne Bäume und Baumgruppen, enge Waldwege oder kurze Pfade, an deren Ende manchmal ein geöffnetes Tor zum Weitergehen einlädt, emporsteigende Treppen, die scheinbar ins Nirgendwo führen, einsame Küstenstrände, an denen von der Brandung rund geschliffene Steine, dem immer wiederkehrenden Wasser trotzen.
Z_119Motive, die fokussiert sind auf Ausschnitte und Einzelheiten und die Idylle und Romantik implizieren. Vielleicht verströmen die Blätter auch deshalb etwas Intimes und sehr Persönliches, weil die Nähe des Gesehenen, Gefühlten und Dargestellten, die Unmittelbarkeit des Künstlers spüren lässt.
Doch die Natur vergeht, das Leben versiegt und die Idylle und Romantik verblassen. Dazu bedarf es bei Walter Herzog auch nicht der großen Gesten oder der Einwirkung durch den Menschen, die – abgesehen von einigen Porträts – weniger in seinem Œuvre zu finden sind, sondern nur der empfindsamen Beobachtung. Denn auch in der Schönheit, die jedem einzelnen Blatt immanent ist, widerspiegelt sich Vergänglichkeit. Verrottende Boote am Ufer, abgestorbene Äste und entwurzelte Bäume, verlassene Gehöfte und verfallene Ruinen. Der einst gegangene Weg, die kurz zuvor erklommene Treppe, die früher überquerte Brücke, der zurückgelassene Strand, das bestiegene Gebirge – Endlichkeit.
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Walter Herzog, 1936 in Dresden geboren, zählt zu den renommiertesten Grafikern Deutschlands. Der promovierte Architekt, der erst mit 35 Jahren die Technik der Radierung erlernte, ist seit 1980 freischaffender Grafiker.
Seine Arbeit charakterisierte er 1998 wie folgt: „ Mir fällt nichts ein, mir fällt etwas auf. Ich radiere, was ich sehe oder vielmehr was ich denke, was ich sehen sollte. Durch Geist, Auge und Hand gefiltert, gespiegelt und geformt, in niemandes Auftrag als dem Innewohnenden. Staunen und Sehnsucht muss immer im Spiel sein. Im Winter radiere ich den Sommer, im Gebirge das Meer. Den Meistern nacheifernd, Vergängliches festhaltend, Schönes bewahren und erzeugen. Die Bemühung gilt immer dem Inbild statt dem Abbild.“
Walter Herzog, wohnhaft in Berlin, feiert in diesem Jahr seinen 75. Geburtstag. Er schuf bisher über 1500 faszinierende Grafiken und Zeichnungen, von denen viele im Besitz bedeutender Museen und Sammlungen sind.
Die Ausstellung im Panorama Museum präsentiert etwa 150 Arbeiten von 1972 bis heute. (12. November 2011 bis 12. Februar 2012)   Silke Krage
Abb.: von oben nach unten: rechts: Boot am Strand, 1983, Radierung, 27,8 x 28,5 cm; links: Gr. Eiche, 2003, Feder, laviert, auf Bütten, 56,5 x 58,5 cm; rechts: Stolpersteig, 1997, Feder, laviert, auf Bütten, 57,0 x 55,0 cm

 

Zettellandschaft - Collagen und Malerei von Irena Artjuschenko
Erfurt - Am 19. Januar 2012 öffnet die erste Ausstellung im neuen Jahr im Kulturforum Haus Dacheröden. Unter dem Titel „Zettellandschaft“ zeigt die Erfurter Künstlerin Irena Artjuschenko bis zum 26. Februar in der Galerie des Hauses Collagen und Malerei.
Erfurt-Aus dem Zyklus Die glorreichen Sieben  Nr.5Der Ausgang und die zentrale Figur der „Zettellandschaft“ ist Der Denker – eine abgewandelte Grafik eines Strichmännchens lässt gleichermaßen die Illusion eines Denkers als auch eines kleinen beschwingt seilhüpfenden Mädchens zu. Was beeinflusst nun die verschiedene Deutung: Zeit, Albträume, Erinnerungen und Visionen. Die Arbeiten kommen nicht schön daher, Pappe und altes Papier – als Maluntergrund verwendet - versinnbildlichen einerseits den Gedanken des Wiederverwertens oder die Entscheidung zum Verpacken, Verstauen und zeitweisen Verdrängen. Lediglich Bildtitel oder die surreale Darstellungsweise lassen eine Verbindung zum Realen vermuten. Irena Artjuschenko sagt zu ihrer Arbeit: „Das Suchen und das Finden ist nicht das Wagnis meiner Arbeit, denn das Finden verbindet sich mit dem Zufall, mit der Leichtigkeit der Intuition – meinen Innereien.“
Irena Artjuschenko ist eine sehr zurückhaltende und bescheidene junge Frau, die sich der Kunst verschrieben hat und ihren Weg unbeirrt geht. Artjuschenko, Jahrgang 1981, begründete ihren künstlerischen Werdegang schon in frühester Jugend. Kunstzirkel, kreative Textilgestaltung, Malerei und Grafik waren selbstverständlich bis zum Studium auf Lehramt in den Fächern Kunst und Deutsch an der Universität Erfurt. Künstlerische Mentoren und Lehrer, wie Dr. Birgit Dettke, Lutz Gode, Eva Bruszis, Lelah Ferguson und Thomas Offhaus, begleiteten sie auf ihrem Weg. Seit 2008 ist Irena Artjuschenko selbst leidenschaftliche Lehrerin an einer Erfurter Regelschule für die Fächer Kunst und Deutsch. Zwischenzeitlich waren Arbeiten von ihr in mehreren kleinen Gruppen- und Einzelausstellungen in Erfurt und Arnstadt zu sehen.
Abb.: aus dem Zyklus Die glorreichen Sieben Nr. 5

 

Doppelpack: Stefan Meisl – Alfred Seidel
Passau - Mit zwei Künstlern aus dem Landkreis Passau, mit Stefan Meisl (*1976) aus Thyrnau und Alfred Seidel (*1948) aus Kellberg, eröffnet der Kunstverein Passau sein Ausstellungsjahr in der St. Anna-Kapelle (13. Januar bis 12. Februar 2012). Stefan Meisl zeigtGemälde und Grafiken, Alfred Seidel Bronzeplastiken. Die abstrakten Werke von Stefan Meisl – meist in Schwarz, Weiß und verschiedenen Grauabstufungen gehalten – entstehen in einem aufwändigen Verfahren und besitzen eine große meditative Kraft. Alfred Seidel hat sich auf den Bronzeguss spezialisiert, den er auch in öffentlichen Kunst-Aktionen zelebriert. In der Anna-Kapelle zeigt er eine Vielfalt verschiedenster Bronzeplastiken.
Passau-Meisl_2007Betrachtet man Stefan Meisls Bilder aus der Entfernung, so glaubt man zunächst Bahnen mit besonders grobem, pastosem Farbauftrag zu erkennen, die sich diagonal durch das Bild wälzen. Beim Näherkommen erkennt man aber, dass die Bilder völlig flach gemalt sind und keine erhabenen Stellen aufweisen. Der räumliche Eindruck des pastosen Farbauftrags erweist sich als eine optische Täuschung. Meisls Bilder sind tatsächlich keine computergenerierten Farbausdrucke sondern Gemälde in Acryl auf Leinwand, die in beinahe altmeisterlicher und zeitintensiver Technik gemalt sind. Bis zu zehn verschiedene Malschichten trägt er als Grundierung lasierend übereinander auf. Die Bilder werden am Boden gemalt und nicht auf der Staffelei, was bereits ihren Bezug zum abstrakten Expressionismus amerikanischer Provenienz unterstreicht. Weiterhin sind Einflüsse fernöstlicher Pinselkunst erkennbar; kalligrafische Pinselzüge in tiefschwarzer Farbe, die in kürzester Zeit und in einem Zustand meditativer Konzentration auf das Bild gesetzt werden. Gesten, die aus dem ganzen Arm kommen und die im Bild eine ungeheuere Dynamik entstehen lassen. Bei diesen letzten Pinselstrichen geht Stefan Meis ein hohes Risiko ein. Scheitert er, misslingt ihm ein Bild, dann ist die Arbeit einer ganzen Woche verloren, die Leinwand ist unbrauchbar geworden.
Stefan Meisl wurde 1976 in Passau geboren. Von 1997 bis 2003 studierte er Kunst an der Universität Passau (Abschluss als Magister Artium). Von 2004 bis 2006 unterrichte er an der Johann-Riederer-Realschule in Hauzenberg. Seit 2006 ist Stefan Meisl freischaffender Maler und Grafiker. 2008 erhielt er die Debütantenförderung des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung, und Kunst. Seit 2009 ist er Mitglied der Produzentengalerie Passau.
Passau-Seidel_Paar in Sitzhaltung III_2011Alfred Seidel, Kunstpädagoge und Vermessungsingenieur, der als Dozent am Lehrstuhl für Kunsterziehung der Universität Passau plastisches Gestalten in verschiedenen Verfahren und Materialien lehrt, kehrt zu den Wurzeln der Bronzegusstechnik zurück, indem er mit einfachsten Mitteln einen temporären Ofen aus Schamottesteinen mauert und mit Kohle beschickt. Bei über 1000 Grad werden in dem Ofen ausgediente Wasserhähne, Türklinken und anderes Altmetall aus Kupfer, Zinn und Zink verflüssigt und im Wachsausschmelzverfahren in Verlorener Form zu einer Bronzeplastik gegossen.
Der eigentliche Gussvorgang, von Seidel als Kunst-Aktion und faszinierendes Schauspiel zugleich gestaltet, ist für ihn mindestens ebenso wichtig wie das fertige Werk. Für Alfred Seidel, dessen Wahlspruch in Anlehnung an die Alchemisten „Das Wertvolle liegt im Verworfenen“ lautet, wird die Gussaktion zum „Schöpfungsvorgang“ dem so ein wesentlicher Anteil am Werk zukommt. In mutiger Konsequenz bezieht der Künstler bei seinen öffentlichen Gussaktionen den Betrachter in diesen spannenden Prozess mit ungewissem Ausgang ein.
Alfred Seidel wurde 1948 in Tegernsee geboren. Nach seinem Studium als Vermessungsingenieur absolvierte er ein Kunststudium an der Universität München und an der Akademie der Bildenden Künste München. Seit 1980 lebt er im Raum Passau. Er ist Dozent am Lehrstuhl für Kunsterziehung der Universität Passau für plastisches Gestalten in verschiedenen Verfahren und Materialien.
Abb.: oben: Stefan Meisel, o.T., 2007, Öl auf Leinwand, 50 x 50 cm, Privatbesitz, Foto: Dionys Asenkerschbaumer; unten: Alfred Seidel, Paar in Sitzhaltung III, 2011, Bronze, Foto: Alfred Seidel

 

Crash & Burn –Glas und Keramik der Dänischen Designschule Bornholm
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Coburg - Das Europäische Museum für Modernes Glas präsentiert vom 1. Dezember 2011 bis 5. Februar 2012 in einer Ausstellung die Abschlussarbeiten der Glas- und Keramikklasse der Dänischen Designschule Bornholm. 18 Künstlerinnen und Künstler zeigen Skulpturen aus Glas und Keramik, Installationen, Gebrauchskeramik, Leuchtobjekte und Wandbilder.
Die aus sieben Ländern stammenden Absolventen demonstrieren mit ihren Arbeiten eindrucksvoll das hohe handwerkliche und künstlerische Niveau der zu den bedeutendsten Ausbildungsstätten für Glas und Keramik in Skandinavien gehörenden Designschule in Nexø.
Teilnehmende Künstler und Künstlerinnen: Lisa Alm, Monica Alvestad Amundsen, Marianne Gerlach, Max Hillfon, Maria Holm, Matilda Kästel, Marte Kartfjord, Nina Kirkebæk Nielsen, Louise Kragh Hansen, Olga Milczynska, Anna Mlasowsky, Mette Møjbæk Duedahl, Jennie Olofsson, Christina Schou Christensen, Siri Gran Stokkeland, Lene C. Tangen, Mette Thyrsted Kristensen, Benjamin Brogaard Winther.
Abb.: Künstler Designschule Bornholm

 

HŒHERE WESEN - Roland Fuhrmann
Friedrichshafen-HŒHERE WESEN-3
Friedrichshafen - Der Titel der Ausstellung entsprang Zufallsfunden von privaten Zeppelinfotos, die von 1920 bis etwa 1930 von Zeitgenossen geknipst wurden. Für den Laienfotografen von einst war es wohl eine besondere Herausforderung, den Fotoapparat schnell genug in Position zu bringen, um die rasch dahin ziehenden Zeppeline noch im Sucher zu behalten. Allzu oft drohte das Luftschiff bereits hinter Gebäuden zu verschwinden. Und manchmal kam es dann zu einem Häuseranschnitt als schwarze Ecke im rechten oberen Bildrand.
Friedrichshafen-HŒHERE WESEN-2Diese kleinen fotografischen „Unfälle“ erinnerten Roland Fuhrmann an einen Klassiker der neueren Malereigeschichte.
„Höhere Wesen befahlen: rechte obere Ecke schwarz malen!“ titelte Sigmar Polke 1969 sein berühmtes Bild. Was er damit meinte, wird wohl nie ganz ergründet werden. Einen in Polkes Sinn ironischen Kommentar liefern die Zeppeline und deren Fotos mit den schwarzen Ecken. Die Ausstellung im Grenzraum dreht sich daher explizit um diese „Höheren Wesen“, die in allen Zeiten einen unkontrollierbaren Fotoreflex auslösten.
Zeppeline zeigen sich im Spiegel der Kunst und werfen Fragen auf hinsichtlich des kulturellen Status, den das Bild in unserer Gesellschaft einnimmt. Oben und Unten, Macht und Unterwerfung sind weitere Themen der Ausstellung, die dem Besucher mit Fotoarbeiten, Videos, Skulpturen und Installationen begegnen werden.
Die Ausstellung ist im Grenzraum des Zeppelin Museums Friedrichshafen vom 16. Dezember 2011 bis zum 26. Februar 2012 zu sehen.
Abb.: Fotos: privat, 1930er Jahre, © Zeppelin-Archiv Roland Fuhrmann

 

AUSTRALIA – Northern Territory
Rödermark - Die Kunst- und Kulturinitiative der Videor E. Hartig GmbH präsentiert vom 25. November 2011 bis 9. März 2012 die Ausstellung „AUSTRALIA – Northern Territory“ mit Werken des Künstlers Ernst Hartig (EHa).
Im Jahr 2010 führte den Künstler seine Suche in die bereisbare Wildnis des Northern Territory – mitten im australischen Sommer, in dem die Landschaft ihre ganze Schönheit und gleichzeitig ihr menschenfeindliches Antlitz offenbart. Es ist das Ursprüngliche und Unverfälschte, das Ernst Hartig mit seiner Mittelformatkamera im Northern Territory einfängt, in einer Detailgenauigkeit, die erst die moderne Digitalfotografie möglich gemacht hat und die die Unverwechselbarkeit dieser nordaustralischen Wildnis sichtbar macht.
Rödermark-E.Hartig_Kings Canyon 2010-3263Mit nur 220.000 Einwohnern ist das Northern Territory der dünn besiedeltste Teil Australiens. Dabei umfasst das Gebiet eine Größe, die etwa den Ländern Spanien, Frankreich und Italien zusammen genommen entspricht. Neben der Hauptstadt Darwin mit 120.000 Einwohnern zählen Alice Springs, Katherine, Tennant Creek und Nhulunbuy zu den größeren Städten. Im Landesinneren herrscht Wüstenklima, mit Höchsttemperaturen in den Sommermonaten von über 40°C. Die Küstenregion im Norden wird hingegen vom feucht-heißen Monsun und heftigen tropischen Wirbelstürmen (Zyklonen) bestimmt, die u.a. die Hauptstadt Darwin in den Jahren 1897, 1937 und 1974 fast vollständig zerstörten. In den Sommermonaten von November bis April liegen die Temperaturen hier bei rund 34°C. In dieser Zeit ist auch die Luftfeuchtigkeit am höchsten und die starken Monsunregenfälle können die unbefestigten Straßen zeitweise unpassierbar machen. Diese Jahreszeit ist jedoch wegen ihres Überflusses an tropischen Blüten besonders schön.
Ernst Hartig (EHa) wurde 1938 in Frankfurt am Main geboren. Nach einer Ausbildung zum Fotografen war er Assistent am Institut für psychologische und soziologische Marktforschung in Frankfurt am Main, bevor er 1969 das Unternehmen Videor gründete. Seit 1994 beschäftigt er sich mit digitalen Medien und digitaler Kunst sowie digitaler Fotografie. Seine Werke waren bereits in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen, u.a. in Frankfurt am Main, Tokio (Japan), Vitznau (Schweiz), Rödermark, Fulda, Gießen und Seligenstadt. Er lebt und arbeitet in Rödermark und auf Samos (Griechenland). Seine Bilder entlarven Ernst Hartig als den ewig Suchenden. Immer dem Unbekannten, Besonderen auf der Spur bei seinen Reisen rund um den Globus. Auf den vielen Reisen beeindruckt ihn besonders die fernöstliche Kultur. Längere Japan-Aufenthalte schulen seine Sinne.
Zur Ausstellung erscheint das Kunstbuch „AUSTRALIA - NORTHERN TERRITORY“.
Abb.: E.Hartig, Kings Canyon 2010-3263

 

Veronika Veit: Suspension
Berlin - Upstairs Berlin freut sich, vom 26. November 2011 bis 4. Februar 2012 neue Werke der Münchner Künstlerin Veronika Veit in ihrer vierten Einzelausstellung in der Galerie zu präsentieren.
Berlin-VeitDie Ausstellung Suspension vereint neue Arbeiten, in denen sich Veit auf die Darstellung von Mädchen und jungen Frauen konzentriert (Abb.). Im Gegensatz zu früheren Arbeiten, in denen die Künstlerin maßstäblich verkleinerte, äußerst detailgetreue menschliche Figuren zeigte, fällt nun eine Hinwendung zu einer fast surrealen Verfremdung der Skulpturen auf. Hier lösen sich Körper in bunte Bläschen auf, dort erhebt sich eine Figur in wolkigem Schaum, der Ausdruck der Gesichter wirkt entrückt. Die Videoarbeit „Die Faust“ zeigt eine Szene in der unwirklichen Atmosphäre einer Kindheitserinnerung.
Suspension, ein Schwebezustand, ist das vereinende Moment der Arbeiten. Zunächst stehen die sich auflösenden und ständig verändernden Formen für eine formale Leichtigkeit. Die besondere Beschaffenheit der Figuren, die Variation der Materialität und Oberflächen, heben sie, neben ihrer Unterlebensgröße, aus der Wirklichkeit. Viele von Veits Werken haben wenig von diesseitiger Präsenz und zeigen sich in einem berückenden Zustand der Schwerelosigkeit.
In den formalen Aspekten der Figuren spiegeln sich auch ihre emotionalen Beziehungen zur Welt. Die Mädchen und jungen Frauen, die Veit darstellt, befinden sich im Schwebezustand des Heranwachsens. Die Kindheit und Jugend ist für die Künstlerin kein sicherer Ort, die scheinbare Leichtigkeit wird schnell zur Haltlosigkeit und Zerbrechlichkeit. Die Erwartungen und Projektionen durch Eltern, Umfeld, Medien kollidieren häufig mit den eigenen Wünschen, Hoffnungen und Sehnsüchten. Dabei bleiben Veits Arbeiten stets vieldeutig, in einem ungreifbaren Schwebezustand, in Suspension.
Veronika Veit (geboren 1968 in München) setzt sich in ihrem Werk seit vielen Jahren mit der menschlichen Figur auseinander und untersucht dabei gesellschaftliche Strukturen und Zustände. Neben den skulpturalen Arbeiten entstehen auch Videoarbeiten sowie Arbeiten auf Papier. Mit ihren Werken ist Veronika Veit in zahlreichen renommierten Sammlungen vertreten und regelmäßig an institutionellen Ausstellungen im In- und Ausland beteiligt. Zuletzt waren ihre Arbeiten u.a. im CCA Andratx, Mallorca, und im Bayerischen Nationalmuseum, München, zu sehen.
Veronika Veit lebt und arbeitet in München.

 

Louise Bourgeois - Passage dangereux
Hamburg - Die Hamburger Kunsthalle ehrt vom 10. Februar bis 17. Juni 2012 mit einer Ausstellung eine Jahrhundert-Künstlerin: Louise Bourgeois (1911-2010). Aus Anlass des 100. Geburtstags der Künstlerin werden Skulpturen, Rauminstallationen, Radierungen, Arbeiten aus Stoff und Tapisserien gezeigt, die in den letzten 15 Lebensjahren entstanden sind. Das Werk einer der bedeutendsten und einflussreichsten Künstlerinnen unserer Zeit offenbart eine ganz eigene Form- und Materialsprache. Es behandelt existentielle Themen des Menschseins und zugleich ganz persönliche Erfahrungen, denen sich Louise Bourgeois unermüdlich zu stellen wagte: Angst, Abhängigkeit, Erinnerung, Sexualität, Liebe und Tod. Die ausgestellten Werke kommen aus renommierten internationalen Museen, Privatsammlungen und vom Louise Bourgeois Trust. Einige Arbeiten sind zum ersten Mal überhaupt öffentlich zu sehen.
Die berühmte „Maman“ (1999) – eine über 9 Meter hohe, überdimensionale Spinne aus Bronze, Stahl und Marmor – wird mehr als vier Monate lang auf dem Außenplateau der Hamburger Kunsthalle zur weit sichtbaren Botschafterin der Ausstellung. Die monumentale Skulptur ist ein Leitmotiv im OEuvre der Künstlerin und ein Schlüsselwerk zum Verständnis ihrer Kunst. Einerseits ist „Maman“ eine Hommage von Louise Bourgeois an ihre Mutter, die als Restauratorin von Tapisserien arbeitete und, einer Spinne vergleichbar, Gewebe produzierte und erneuerte. Andererseits symbolisiert die Spinne die unendliche, sich ewige erneuernde Geschichte des Lebens.
Hamburg-Louise Bourgeois with SPIDER IV in 1996Zu den oft raumgreifenden und mehrteiligen Exponaten gehört der großformatige, vierzehnteilige Radierungszyklus „À l’infini“ (2008) aus dem Besitz des Museum of Modern Art in New York, der erstmals in Deutschland vorgestellt wird. Das MOMA war das Museum, das Louise Bourgeois im Jahr 1982 als erster Künstlerin überhaupt eine retrospektive Ausstellung widmete. Die einzelnen Blätter von „À l’infini“ zeigen jeweils zwei sich begegnende Linien, aus denen immer neue Formen, wie etwa ein sich liebendes Paar, entstehen. Das so einfache wie berührende Werk beruht auf dem Ursprung jeden Gewebes, das aus mindestens zwei Fäden bestehend in unendlicher Weise variiert werden kann.
Mehrere Ausstellungsräume sind Stoff-Arbeiten gewidmet, in denen sich der Faden zu Mustern und zu abstrakten Formationen von beeindruckender Schönheit verselbständigt. Gewebe als Geschichte zu denken, die immer weiter fort gesponnen werden kann, als Erinnerungsfäden, die den Weg in die Vergangenheit aufzeigen – dieses Verständnis prägt das künstlerische Werk von Louise Bourgeois.
Der Ausstellungstitel „Passage dangereux“ ist dem Namen einer Arbeit von Bourgeois spektakulärster Werkgruppe entnommen, ihren so genannten „Cells“: käfigartige, mit Objekten und kleinen Skulpturen gefüllte Räume. „Passage dangereux“ (1997) ist die größte und komplexeste dieser „Cells“ und macht die Auseinandersetzung der Künstlerin mit ihrer eigenen persönlichen Geschichte, aber auch mit allgemeinmenschlichen Erinnerungen und Emotionen auf verdichtete Weise erfahrbar.
Louise Bourgeois vereinte in ihrem 98-jährigem Leben und in ihrem langen, in seiner Intensität nicht nachlassendem künstlerischen Schaffen mehrere Epochen: In Paris geboren erlebte sie als junge Frau die Pariser Moderne, studierte u.a. bei Fernand Léger und bewegte sich im Kreis der Surrealisten. 1938 zog sie mit ihrem Ehemann, dem amerikanischen Kunsthistoriker Robert Goldwater, nach New York. Dort kam sie mit den aus Frankreich emigrierten Künstlern um Marcel Duchamp in Kontakt und war mit Vertretern des Abstrakten Expressionismus befreundet. Bourgeois nahm die in den USA dominanten Strömungen der Minimal- und der Pop Art wahr, schloss sich jedoch nie einer der bestehenden Gruppen an. Vielmehr entwickelte sie eine seltene stilistische Komplexität, die vieles von dem vorwegnahm, was Anliegen einer jüngeren Künstlergeneration werden sollte.
Abb.: Louise Bourgeois with SPIDER IV in 1996, Portrait: © Peter Bellamy / SPIDER IV: © Louise Bourgeois Trust, VG Bild-Kunst, Bonn 2011, Foto: Peter Bellamy

 

Frühstück unterm Eulenbaum - Zauberhafte Märchenwelten von Marlis Knoblauch
Erfurt-Kalifs Castle renovated
Erfurt - Vom 4. Dezember 2011 bis 22. April 2012 wird im Museum für Thüringer Volkskunde Erfurt am Juri-Gagarin-Ring 140a die Kabinettausstellung „Frühstück unterm Eulenbaum. Zauberhafte Märchenwelten von Marlis Knoblauch“ gezeigt.
Einen Blick werfen auf die große weite Welt, die man realiter wohl niemals würde zu sehen bekommen, in utopische Gestalten und Geschehnisse „eintauchen“: Das war es, was die Guckkästen mit ihren bunten, teils bewegten und beleuchteten Darstellungen spätestens seit dem 18. Jahrhundert so beliebt hatte werden lassen. Marlis Knoblauchs Ausstellung im Museum für Thüringer Volkskunde Erfurt legt nun den Schluss nahe, dass die Faszination dieses Mediums bis heute ungebrochen ist.
Von der Pike auf hat Marlis Knoblauch ihr Handwerk an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee gelernt: Seit mehr als 30 Jahren kreiert sie Bühnenbilder und Kostüme fürs Theater, für Oper und Operette, Schauspiel, Kindertheater und - einfach so, für sich selbst und diejenigen, die sich gern verzaubern lassen von ihren unglaublich fantasievollen Guckkästen, Reliefbildern, Bühnenbild-Modellen, Figurinen und Kostümen.
Erfurt-Frühstück mit Venus (Leihgabe Dr. Stansch Leipzig)Marlis Knoblauch ist ganz offensichtlich mit viel Herzblut bei der Sache, denn die Wirkung ist verblüffend: Kleine und auch ganz große, erwachsene, Betrachter lassen sich innerhalb von Sekundenbruchteilen ein auf die Reise in ihre Miniaturwelten, die von unbändiger Kreativität, vom Spiel mit Schönem und Skurrilem, von der Freude am Leben und der Kunst förmlich übersprudeln.
Einen wohlwollend-amüsierten Blick auf unser Dasein offenbart Marlis Knoblauch, voller Lebensweisheit und Hintersinn. Wer sich der Lust aufs Nachmachen und Selbst-Gestalten angesichts eines allzu ernsten, aufgabenreichen Alltags gerade noch enthalten kann (oder muss?), den „erwischt“ auf jeden Fall der Wortwitz so mancher Titel …
Marlis Knoblauch stammt aus Chemnitz und absolvierte an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ihr Studium der Szenografie, begleitend eine Ausstattungsassistenz am Berliner Ensemble. Von 1980 bis 1993 war sie Kostüm- und Bühnenbildnerin an den Städtischen Bühnen Leipzig, nach Jahren freiberuflicher Tätigkeit folgte 2007-2009 ein festes Engagement am Theater der Altmark Stendal. Seither ist Marlis Knoblauch wieder freischaffend tätig. Deutschlandweit stammen ca. 200 Ausstattungen für Schauspiel, Oper, Ballett und Film aus ihrer Feder.
Abb.: Marlies Knoblauch: oben: Kalifs Castle renovated; unten: Frühstück mit Venus, Leihgabe Dr. Stansch, Leipzig

 

ES GEHT UM DIE WELT - Internationale Plakate zu Natur und Umwelt
Cottbus-Lex Drewinski
Cottbus - Nach heutigem Verständnis ist mit dem Begriff „Umwelt“ weitgehend die Umwelt des Menschen gemeint: Der Mensch mit seinen Aktivitäten nimmt ständig Einfluss auf seine Umwelt und ist umgekehrt massiv deren Rückwirkungen ausgesetzt.
Bei dieser Ausstellung handelt es sich um Plakate zu Landschaft, Raum, Natur, Umwelt, also um genau den Themenkreis, dem sich das Museum seit etwa Mitte der 1990er Jahre in Ausstellungsbetrieb und Erwerbungspolitik verstärkt widmet. Die Schau umfasst internationale Plakate etwa der letzten zwanzig Jahre.
Obwohl Plakate ein schnelllebiges Medium sind, haben sie zum großen Teil nichts von ihrer Aktualität verloren.
Cottbus-Moichi UmemuraStichworte sind Klimawandel, Energieverwendung, Ölpest, Luftverschmutzung durch Abgase etc., aber auch Migration und Integration, also soziokulturelle Faktoren spielen eine Rolle –  ungelöste Themen, die die Welt bewegen.
Die Ausstellung setzt sich aus Arbeiten der Sammlung und zum größten Teil aus den Einreichungen angefragter Künstler zusammen. Eingeladen wurden rund einhundert Grafikdesigner aus Armenien, Australien, Brasilien, China, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Iran, Israel, Japan, Mexiko, Österreich, Polen, Russland, aus der Schweiz, der Slowakei, aus Slowenien, Spanien, Südkorea, Taiwan, der Türkei und den USA. Die Plakatsprache der Künstler ist so vielgestaltig wie ihre Charaktere. Sie ist drastisch oder zurückhaltend, nachdenklich, sachlich, humorvoll oder satirisch und vor allem – betroffen und engagiert.
Zu sehen ist die Ausstellung im Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus vom 5. Februar bis 15. April 2012.
Abb.: oben: Lex Drewinski, Greenpeace, Siebdruck, 1991; unten: Moichi Umemura, It's Human Beings Pollute Our Valuable Water - Es liegt im menschlichen Wesen, unser Wasser zu verschmutzen, Offset, um 1990

 

Fotoausstellung von „Tatort“-Regisseur und Fotograf Olaf Kreinsen
München - Der renommierte TV-Regisseur (u.a. „Tatort“) präsentiert in der Münchener „Fotogalerie im Blauen Haus“ einen Auszug seiner preisgekrönten Fotoarbeiten. Vom 26. Januar bis 25. Februar 2012 sind Schwarz-Weiß-Motive vom Gardasee („Lago Silenzioso“) zu sehen, im Anschluss folgt vom 1. bis 17. März 2012 eine Werkschau.
München-OlafKreinsen_LagoSil#3AC5F1Olaf Kreinsen gehört seit gut 20 Jahren zu den meistbeschäftigten deutschen Filmschaffenden: zunächst als Redakteur und Realisator für ARD und SAT.1, später als Regieassistent; seit 1994 führt Olaf Kreinsen Regie (darunter: „Tatort“, ZDF-Montagsfilm, TV-Movies). Als Sohn einer Fotografin kam Olaf Kreinsen bereits in frühester Kindheit mit Sucher, Auslöser und Dunkelkammer in Berührung. Deshalb schlägt – trotz seiner Erfolge im filmischen Bereich – sein Herz immer noch für den eingefrorenen Moment in der Fotografie. In den letzten Jahren widmet sich der 1960 in Gummersbach geborene Film- und Fotokünstler verstärkt der künstlerischen Auseinandersetzung mit der Fotografie. Seit 2008 präsentiert Kreinsen seine Fotografien auf nationalen und internationalen Ausstellungen – mit Erfolg, wie verschiedene renommierte Preise und Auszeichnungen belegen (u.a. beim „Diari della Terra 2010“, Venedig, als „Bester Fotograf der EU“).
„Mich reizen vor allem die Spuren des Abwesenden, die Mehrdeutigkeit und Interpretierbarkeit von Zeichen“, sagt Kreinsen. Mit der Fotokamera entdecke er seine Motive zunächst zufällig. Einmal fündig geworden, sucht und kreiert Kreinsen pointierte Bildaussagen und dramatische Effekte. Der technischen Nachbearbeitung seiner größtenteils digitalen Aufnahmen räumt der filmende Fotograf den gleichen Stellenwert wie der Aufnahme selbst ein: von der Retusche bis zur Modifikation von Schärfe und Tonalität nutzt er kreativ und virtuos technische Möglichkeiten. Ein Prozess, der ihn an früheste Erfahrungen in der elterlichen Dunkelkammer erinnere.
München-OlafKreinsen_LagoSil#3AC5F6Von Fotomontagen und inszenierten Fotografien nimmt Olaf Kreinsen indes Abstand. „Mich reizt einzig und alleine die Realität“, sagt er, „sie ist nie objektiv, immer interpretierbar. Beziehungsweise: sie muss erst interpretiert werden, um Realität zu werden.“
Olaf Kreinsen wurde 1960 als Sohn einer Industriefotografin in Gummersbach geboren. Er studierte Germanistik, Anglistik, Musikwissenschaft in Hamburg, mit dem Schwerpunkt Film- und Theaterwissenschaft. Nach einer Ausbildung als Kameraassistent arbeitete er als Kameramann für Dokumentar- und Imagefilme. Olaf Kreinsens Karriere umfasst die Stationen: Redakteur und Realisator für diverse Fernsehmagazine, Regieassistent für Spielfilme, Dramaturg. Seit 1994 ist Kreinsen Regisseur zahlreicher Fernsehspiele für alle großen deutschen Sender – von „Tatort“ über ZDF-Montagsfilm und TV-Movies bis hin zum Freitagabendmelodram. In den letzten Jahren verstärkte Hinwendung zur Fotografie; seit 2008 internationale Ausstellungen (darunter: „Diari della Terra“ in Venedig; „World Photographie Festival, London; „Natura Morta“, München; „Art on Demand“, Bad Honnef).
Die Werke von Olaf Kreinsen wurden vielfach ausgezeichnet. Zu den Preisen gehören: „Bester Fotograf aus der EU“ beim „Diari della Terra“ (2010), „Preisträger der Hoepfner-Stiftung“ (2011), „World Photography Award 2011“ (Kategorie: „Still-Life/Professionals“), „Prix de la Photographie Paris“ (Px 3 Official Selection for 2011), „Schömberger Fotoherbst 2011“ (1. Preis beim Festival der Reise- und Reportagefotografie).
Beide Abb.: Stille Ästhetik: die Schwarz-Weiß-Bilder vom Garda-See zeigen das Touristen-Mekka von seiner unbekannten Seite

 

Vera Lossau - Age of Base
Düsseldorf - Vera Lossaus Werk rekrutiert sich aus Installation, Zeichnung, Performance und Malerei, und hat stets konzeptuelle Grundlagen. Sie intendiert die konstruktive Zusammenführung verschiedener Medien, um im Resultat einen Bildraum zu erschaffen, in dem ähnlich wie bei einem Gedicht Inhalte zwischen den Zeilen aufleuchten. Dabei liegt den Arbeiten oft eine konsequente Auseinandersetzung mit der Kunstgeschichte zugrunde, etwa wenn Motive aus Renaissancegemälden in ihr skulpturales Werk überführt werden.
Düsseldorf-LossauGrundsätzlich geht es in ihrer Kunst nicht um die konkrete, linear - methodische Formulierung eines sich selbst begrenzenden Arbeitsstils durch Trennung von künstlerischen Gattungen, sondern darum, etwas einzukreisen, das nicht greifbar ist, sich aber dennoch klar präsentiert. Es ist fast die Umkehrung einer sich auf nur ein Thema bzw. eine Form oder Methode reduzierenden Arbeitsweise. Kategorien wie Komposition, Farbgebung, Zeichnung im Raum und Licht sind substantieller Bestandteil ihres Werks.
In der aktuellen Ausstellung zeigt Vera Lossau museale Großskulpturen. Die raumgreifenden Installationen kreisen subtil um das Thema Tod. Dabei deutet die Künstlerin das dem Blick Verborgene nur an, wodurch ein Gefühl der Beklemmung und der Melancholie aufkommt. Ein weiteres verbindendes Moment ist das Verhältnis von Innen- und Außenraum. Die dargestellten Schnittstellen scheinen klare Grenzen aufzulösen, wodurch eine Konfrontation von zwei Realitätsebenen entsteht.
Vera Lossau (1976) studierte an der Kunstakademie Düsseldorf bei Rita McBride und Magdalena Jetelová und war in zahlreichen Einzelausstellungen zu sehen, darunter im Kunstverein Mönchengladbach, im Stadtmuseum Hattingen, im Ernst und Young Artforum, Düsseldorf, im Ludwig Forum für Internationale Kunst, Aachen oder im Kunstverein Konstanz. Zudem erhielt die Künstlerin zahlreiche Stipendien, wie beispielsweise das der Stiftung Künstlerdorf Schöppingen, das Ringenberg-Stipendium des Landes NRW, sowie das Israel-Stipendium der Kunststiftung NRW, der Artists Studios Tel Aviv und der Cary und Dan Bronner-Stiftung Düsseldorf. Bis zum 5. Februar 2012 sind Werke von Vera Lossau in der Ausstellung Kunstpreis »junger westen 2011« in der Kunsthalle Recklinghausen, vom 10. Februar bis 9. Mai 2012 im KIT Kunst in Tunnel, Düsseldorf und vom 13. Januar bis 25. Februar 2012 in der Galerie Rupert Pfab, Düsseldorf zu sehen.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

 

„Zuhause“ - Schüler kuratieren eine Ausstellung
Frankfurt/Main - 16 Jugendliche der Ludwig-Börne-Schule in Frankfurt übernehmen seit einigen Monaten im MMK Museum für Moderne Kunst die Rolle von Kuratoren: Im Rahmen des partizipatorischen Kunstvermittlungsprojektes „SHOW UP! 2011“ wählen sie ein Ausstellungsthema, stellen Werke aus der MMK Sammlung zusammen, schreiben Begleittexte und bereiten die Hängung der Kunstwerke vor. Das Ergebnis dieser intensiven Auseinandersetzung mit den Werken des MMK ist die Ausstellung „Zuhause“, die vom 17. Dezember 2011 bis 25. März 2012 zu sehen ist. Nachdem das MMK mit dem Pilotprojekt „SHOW UP! 2010“ im vergangenen Jahr neue Wege in der Kunstvermittlung eingeschlagen hat und dafür mit dem renommierten „Kinder zum Olymp“-Preis der Kulturstiftung der Länder ausgezeichnet wurde, setzt das MMK das erfolgreiche Projekt fort.
FFM-foto_zuhauseDie Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 17 Jahren der SchuB-Klasse an der Ludwig-Börne-Schule in Frankfurt erarbeiteten dafür mit der Kunstvermittlung des MMK seit August 2011 eine Ausstellung zu dem von ihnen gewählten Thema „Zuhause“. Die Ausstellung mit Werken aus der Sammlung des MMK eröffnet den Betrachtern neue Perspektiven aus Sicht der Jugendlichen und bereichert die Auseinandersetzung mit Gegenwartskunst. Dabei geht es um ein Thema, das nicht nur die Schülerinnen und Schüler unmittelbar selbst betrifft, sondern jeden Besucher: Die weitreichenden Fragen nach Definitionen oder Assoziationen von Zuhause sind Gegenstand der Ausstellung.
Mit einem selbst produzierten Video-Guide gestalten sie auch die Vermittlung ihrer Präsentation.
Die Ausstellung zeigt Werke von u.a. Paul Almasy, Anna und Bernhard Blume, Heiner Blum, Stefan Exler, Hans-Peter Feldmann, Bernhard Härtter, Martin Honert, Johannes Hüppi, Michael Kalmbach, Eva von Platen, Cornelia Schmidt-Bleek, Andreas Slominski, Florian Slotawa, Abisag Tüllmann.
SchuB-Klassen sind eine besondere Schulform, die speziell zur Förderung lernschwacher Schülerinnen und Schüler vom Hessischen Kultusministerium 2004 eingerichtet wurde und die zu einem Hauptschulabschluss führen soll. In der SchuB-Klasse der Ludwig-Börne-Schule werden 16 Schülerinnen und Schüler beim Übergang von der Schule zu einer möglichen Lehrstelle unterstützt.
„Zuhause“ ist kuratiert von Zelal Akbulut, Asli Bolat, Alessandro Calvente, Fabio Constanza, Estefanio Da Silva, Dominik Ebisch, Dominik Eschert, Tarik Ince, Kübra Karadeniz, Florian Kirchner, Albert Lopoz, Tuana Özcelik, Giuseppe Pagano, Laura Srsa, Marc Schwetz, Kübra Yurdakul.
Abb.: Bernhard Härtter, Modell – Massivhaus, 1989, © VG Bild-Kunst, Bonn 2011

 

Kumiko Kurachi, „Auf die Frage“
Berlin-Kumiko Kurachi Portrait
Berlin - Die Japanerin Kumiko Kurachi (geb.1955 in Osaka) entwickelt ihre künstlerische Arbeit aus den Fragen der Kunst selbst. Der Ausstellungstitel „Auf die Frage“ verweist auf eines von Kumiko Kurachis fortdauernden Themen. So stehen ihre schlichten schwarzen Leinwände und leeren Rahmen als Projektionsfläche gleichermaßen für Fragen nach dem Wesen von Kunst. Existiert sie oder ist sie nur ein Image?
Die Ausstellung, die Kumiko Kurachi eigens für die Räume des Mies van der Rohe Hauses entworfen hat, ist also auch eine Hommage an das Kunstwerk im Allgemeinen: „Innerhalb des Gevierts der Begrenzungen eines Bildes existiert eine unlimitierte Welt“, so Kumiko Kurachi. Für die seit 2000 in Düsseldorf lebende Künstlerin ist die Kunst eine Sprache, die nicht auf dem Sein gründet, sondern die erst im Kopf des Menschen entsteht.
Neben einzelnen Bildern, zumeist in den für sie typischen Farben Weiß und Schwarz (aber auch Grau und Rot), sind eine Wandmalerei in der Halle und eine Fensterinstallation im ehemaligen Schlafzimmer des Hauses zu sehen. Die Fensterinstallation von Kumiko Kurachi, die sich über die Form des vorhandenen vierteiligen Miesschen Fensters legt, besteht aus einem langgestreckten Rahmen mit einer offenen und einer geschlossenen Fläche. Diese Arbeit betont das Zusammenspiel von Architektur und Natur. Und hilft dabei die Miessche Architektur noch einmal neu zu entdecken.
Berlin_DSC0136 Adobe RGB ungeschaerftKumiko Kurachi bezieht ihre Inspiration auch aus der alten japanischen Architektur, die sich traditionell über Schiebetüren aus Holz und Papier zur Natur öffnet. Das Motiv der geschlossenen und geöffneten Flächen in Kurachis Rahmenarbeiten bezieht sich vermutlich auf dieses Tür- bzw. Wanddetail der traditionellen japanischen Architektur.
Die Arbeiten von Kumiko Kurachi passen wunderbar in das Haus. Den bekannten Miesschen Ausspruch „less is more“ betrachtet Kumiko Kurachi mit viel Sympathie. Entsprechend hat sie ihre Ausstellung auch konzipiert. So geben ihre schwarz grundierten Leinwände, die leeren Flächen und Rahmen auch eher Raum für Fragen als für endgültige Antworten.
Berlin_DSC0086 Adobe RGB ungeschaerftDie Präsentation der Arbeiten von Kumiko Kurachi im Mies van der Rohe Haus steht aus Anlass von „150 Jahre Deutschland – Japan“ unter der Schirmherrschaft der Botschaft von Japan, Berlin. Die Ausstellung wurde darüber hinaus durch das Japanische Kulturinstitut Köln gefördert.
Zur Ausstellung erscheinen im Verlag „form+zweck“ ein Katalog innerhalb der Publikationsreihe des „Vereins der Freunde und Förderer des Mies van der Rohe Hauses“ und eine Künstleredition.
Die Ausstellung von Kumiko Kurachi, die vom 4. Dezember 2011 bis 4. März 2012 gezeigt wird, bildet gleichzeitig den Auftakt für die Themenreihe des Jahres 2012. Unter der Thematik „Die Kunst des Einfachen“ werden im folgenden Jahr die Angebote des Mies van der Rohe Hauses mit seinen Ausstellungen, Veranstaltungen und Publikationen zusammengeführt.
Abb.: oben: Kumiko Kurachi; Mitte und unten: Blick in die Ausstellung

 

LEVY BERLIN wird alexander levy – Eröffnung mit Julius von Bismarck - Punishment I
Berlin - Am 28. Januar 2012 eröffnet die Galerie alexander levy, vormals LEVY BERLIN, nach umfangreichen Umbauarbeiten unter neuem Namen. Im September 2009 als Dépendance des Hamburger Standorts ins Leben gerufen, hatte sich das Programm vornehmlich auf die Förderung von junger und experimenteller Kunst ausgerichtet. Diesen Schwerpunkt wird Alexander Levy nach zwei Jahren nun weiter ausbauen und sich mit der neuen Galerie alexander levy ausschließlich auf die Präsentation junger künstlerischer Positionen konzentrieren.
Ein Zeichen in Richtung aktualisierter Programmatik wird mit einer Einzelausstellung Julius von Bismarcks gesetzt. Punishment I zeigt bis zum 23. März 2012 in den renovierten Räumlichkeiten neue Arbeiten des jungen progressiven Künstlers. Der Titel der Ausstellung verweist dabei auf eine vorchristliche Legende, die besagt, dass der achämenidische Großkönig und ägyptische Pharao Xerxes I. die Meeresenge Hellespont mit 300 Peitschenhieben strafen ließ, nachdem dort mehrere von ihm in Auftrag gegebene Brücken kurz nach dem Bau durch ein Unwetter zerstört wurden.
Berlin-LevyJulius von Bismarck griff diesen Zorn für seine neue Werkserie allegorisch auf und begab sich von Oktober bis Dezember 2011 mit einer Peitsche bewaffnet auf Reisen durch die Schweiz, Südamerika und die USA. An sagenhaften Orten spielt er mit der rhetorischen Kraft dieses überlieferten Vergeltungsschlages und peitscht die Natur, ihrer Gewalt trotzend, bis zur eigenen Erschöpfung aus. In einem zeitgenössischen Kontext revoltiert er damit gegen die Sozialisation und hinterfragt als moderner Sisyphos Wertemuster, die dem Menschen zeit seines Lebens durch gesellschaftliche Konstrukte und Instanzen vermittelt werden. Entstanden sind Belege dieser gleichermaßen martialischen wie meditativen Aktionen, die nun in Form von Filmmaterial, Fotografien und den Peitschen im Rahmen von Punishment I versammelt werden.
Julius von Bismarck, *1983, studiert seit 2009 bei Olafur Eliasson am Institut für Raumexperimente. 2008 gewann er mit seiner Arbeit „Image Fulgurator“ die „Goldene Nica“ der Prix Ars Electronica. Nach zahlreichen Ausstellungen an international renommierten Orten hat er Anfang Dezember 2011 als erster Künstler den Kunstpreis der Europäischen Organisation für Kernforschung (CERN) erhalten.
Abb.: Punishment #3, 2011, C-Print, 50cm x 75cm, © alexander levy and the artist

 

Heidrun Holzfeind
Wien – Die Arbeit der österreichischen Künstlerin Heidrun Holzfeind hat in den letzten Jahren verstärkt Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Auf der Grundlage theoretischer Überlegungen zu Architektur als sozialem Raum und zur Widerspiegelung von Machtverhältnissen in urbanen Systemen hinterfragt Holzfeind die utopischen Versprechen modernistischer Wohnbauten. Sie verbindet dieses Interesse für Architektur und Städtebau eng mit der Frage nach individuellen Lebensentwürfen und hat so zu einem höchst eigenständigen und unverwechselbaren OEuvre gefunden.
Wien-BAWAG-Heidrun_Holzfeind_02„Meine Arbeiten sind Porträts einfacher Menschen in einem Abschnitt ihres Lebens, in dem sie über ihre Errungenschaften, Ziele, Hoffnungen und ihren Platz in der Gesellschaft nachdenken“, schreibt die Künstlerin über ihren kritischen Blick auf gesellschaftliche Strukturen. Souverän lotet sie in ihren Werken Grenzen zwischen Geschichte und Identität, persönlichen Schicksalen und politischen Narrativen der Gegenwart, zwischen Realität und Fiktion aus.
So porträtiert sie etwa in der Videoarbeit Colonnade Park (2011) die modernistischen Wohngebäude Mies van der Rohes in Newark über Gespräche mit deren Bewohnern. Die drei zwischen 1954 und 1960 errichteten Glas- und Stahltürme stehen für den Beginn der urbanen Erneuerung Newarks. Die Interviews mit den Bewohnern über ihr Leben in diesen klassischen modernistischen Gebäuden werden mit Ansichten der Wohnungen und Aussichten aus den Fenstern konfrontiert.
In CU (Mexico City, August 2006) und Mexico 68 aus dem Jahr 2007, einer Diainstallation und Videointerviews über die Ciudad Universitaria in Mexico City, den wichtigsten Campus der Universidad Nacional Autónoma de México, stellt Holzfeind Architekturaufnahmen Videointerviews mit Aktivistinnen und Aktivisten der Studentenbewegung von 1968 gegenüber, die eine ganze Generation geprägt hat. Mit diesen Arbeiten hat Heidrun Holzfeind wesentlich zur Neuformulierung von Fragen des Dokumentarischen beigetragen und die Verwendung von Fotografie und Video zwischen Kunst und sozialer Praxis neu definiert.
Wien-BAWAG-Heidrun_Holzfeind_05Im Mittelpunkt der Ausstellung im BAWAG Contemporary vom 9. Februar bis 1. April 2012 steht eine neue Werkgruppe, die sich mit dem österreichischen Architekten Ernst Schwadron (Wien 1896–1979 New York) auseinandersetzt. Ernst Schwadron war der älteste Sohn des Mitbegründers der Bau- und Keramikfirma Brüder Schwadron, in deren früherem Schauraum sich heute die Ausstellungsräume des BAWAG Contemporary befinden. Im Penthouse des gleichen Gebäudes am Franz-Josefs-Kai 3 lag die Wohnung des Architekten, der 1938 nach New York emigrieren musste und in den späten 1940er Jahren in der Nähe der Stadt sein eigenes Haus errichtete. In ihrer neuen Werkgruppe geht Heidrun Holzfeind vor allem verschiedenen räumlichen und zeitlichen Bezügen nach. (Christine Kintisch)
Heidrun Holzfeind, geb. 1972 in Lienz, Osttirol; Studium an der Akademie der bildenden Künste Wien. Lebt und arbeitet in Wien. Einzelausstellungen (Auswahl): OK Offenes Kulturhaus Oberösterreich, Linz (mit Christoph Draeger), 2011; CCA Ujazdowski Castle, Warschau, 2010; De Vleeshal, Middelburg (NL), 2009; Sala de Arte Publico Siqueiros, Mexiko City, 2008; Galerie im Taxispalais, Innsbruck, 2007. Gruppenausstellungen (Auswahl): Communitas, Camera Austria, Graz, 2011; Videonale, Bonn, 2011; Documentary Fortnight Exhibition, The Museum of Modern Art, New York, 2010; Living Modern, CCS Bard, Annandale-on-Hudson, 2010; Architecture and ist Discontents, Kaleidoscope, Mailand, 2009; Manifesta 7, 2008.
Abb.: Heidrun Holzfeind: oben: Videostill aus: Colonnade Park, 2011, Video, 54 min, © Heidrun Holzfeind; unten: aus der Serie: Colonnade Park, 2010, Mies in Newark Revisited, 11 C prints, 40x60cm, © Heidrun Holzfeind

 

Von der Lithografie zum Offsetdruck. Die Leipziger Kunstanstalt Carl Garte und die Sammlung Hans Garte
Leipzig-Ansichtskarte Leipziger Messe  um 1910_(c) Sammlung G. Stumpp  Stuttgart
Leipzig - Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Schwarze Kunst farbig: Welche technischen Voraussetzungen dazu notwendig waren und wie erstaunlich vielfältig und farbenprächtig die Ergebnisse des frühen Mehrfarbdrucks sind, zeigt das Museum für Druckkunst Leipzig in der Sonderausstellung „Von der Lithografie zum Offsetdruck. Die Leipziger Kunstanstalt Carl Garte und die Sammlung Hans Garte“ vom 3. Februar bis 13. Mai 2012.
Die zweiteilige Ausstellung beleuchtet zunächst die Ansichtskartenproduktion der Leipziger Kunstanstalt Carl Garte um 1900. Das damals boomende Massenmedium Ansichtskarte veranschaulicht, wie wichtig Design und Farbgestaltung waren, um auf diesem hart umkämpften Markt zu bestehen. Dargestellt wird zudem die technische Experimentierfreude zu Beginn des Mehrfarbdrucks für Massenauflagen. Ausgewählte Exponate illustrieren das damals vorherrschende Druckverfahren der Chromolithografie, das bald auch mit anderen Verfahren kombiniert wurde.
Leipzig-Cover der Zeitschrift 'Buch- und Werbekunst'  1934 (c) Int. Senefelder-Stiftung OffenbachDer zweite Teil der Ausstellung widmet sich dem Offsetdruck, in den die Kunstanstalt Garte ab 1912 als einer der ersten Betriebe in Deutschland investierte. In der Frühphase wurde dieses Druckverfahren noch nicht im Buch- und Zeitungsdruck genutzt, sondern vor allem für Ansichtskarten, Plakate, Reklame und Verpackungen. Diese Anwendungsbereiche des frühen Offsetdrucks werden in der Ausstellung durch farbenfrohe Originale aus der Sammlung Hans Garte dokumentiert.
Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Deutschen Zeitungsmuseum Wadgassen, der Internationalen Senefelder-Stiftung Offenbach und dem Sammler Gerhard Stumpp, Stuttgart.
Das Museum für Druckkunst zeigt in seiner Dauerausstellung historische Drucktechniken mit dem Schwerpunkt Buchdruck. In der Sonderausstellung wird der Fokus nun auf den farbigen Illustrationsdruck gelegt. Wie der Buchdruck hat dieser in Leipzig eine lange Tradition; so wurde beispielsweise die erste deutsche Offsetdruckmaschine 1907 in Leipzig in Betrieb genommen.
Abb.: oben: Ansichtskarte Leipziger Messe, um 1910, ©Sammlung G. Stumpp, Stuttgart; unten: Zeitschriftencover 1934, ©Int. Senefelder-Stiftung Offenbach

 

Please help! Living in London is so fucking expensive. Standpunkte von Laas Koehler
Trier - „Als Künstler hat man Phasen, Momente und es gibt Situationen, da gehen Türen auf und man spürt, es passiert etwas Großes“, fasst Konzeptkünstler Laas Koehler jenen Moment des Jahres 2010 zusammen in dem er ein neues Medium für seine Kunst fand: den roten Punkt. Seit dem arbeitet der Künstler intensiv an Bildern und Objekten, die aus den Klebepunkten zusammengefügt werden. Die roten Punkte werden ursprünglich im Kunsthandel verwendet um verkaufte Werke innerhalb des Ausstellungsraumes zu markieren. Die neusten Punkte-Arbeiten des Künstlers werden nun erstmals in der Galerie Neosyne präsentiert. Die Ausstellung findet vom 29. Januar bis 18. März 2012 statt.
Trier-Please HelpDer gebürtige Berliner wohnte bis Oktober diesen Jahres in Trier, bevor er nach London übersiedelte. Mit der Ausstellung kehrt er nun erstmals in die Moselstadt zurück. Zu Trier hat er ein ganz besonderes Verhältnis, die Menschen, das Publikum sind ihm im Verlaufe der letzten Jahre ans Herz gewachsen. Als freier Kurator hat er an der Realisierung zahlreicher Projekte der Tuchfabrik (TUFA) mitgewirkt. Mit dem Kunst-Kombinat-Trier (KKT) hat er zudem eine Plattform geschaffen, die Künstler und Region miteinander vernetzt. An zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen war er beteiligt und hat maßgeblich mitgewirkt die Kulturszene Triers weit über die Grenzen der Region bekannt zu machen. Heute pendelt er zwischen Trier und London.
„Die Punkteserie ist mittlerweile ein Branding von mir geworden und die Serie ist noch lange nicht tot. Bisher war mein Branding mein Humor, meine Signatur und der Wunsch, meinem Publikum keine Lebenszeit zu rauben. Wer zu meinen Ausstellungen kommt, soll das nicht bereuen. Das Leben ist oft schon anstrengend und belastend genug und meine Kunst soll mehr fördern und fordern als zusätzlich belasten“, gibt Laas Koehler Einblick in seine künstlerische Motivation. „Leichte Kost ist dennoch nicht zu erwarten!“, fügt er hinzu.
Der rote Punkt ist Symbol für den ökonomischen Erfolg von Kunst. Er bildet den Grenzstein von Kunst zu Kunstmarkt. Längst ist er ein globales Symbol. Egal ob in New York, Berlin oder Shanghai, der Besucher versteht auf diesem Weg, unabhängig von Sprachkenntnissen und kulturellen Gepflogenheiten, dessen universelle Aussage. Da er immer eine gewisse Wertung beinhaltet, beeinflusst er die Rezeption des Kunstwerks.
Laas Koehler verwendet die roten Punkte um Standpunkte zum Kunstmarkt, zu einzelnen Künstlern und einer Gesellschaft zu formulieren, die sich zunehmend nach ökonomischen Kriterien ausrichtet. Texte und Symbole werden genauso wie bekannte Werke namhafter Künstler in einen neuen Kontext überführt. Es zeigt sich eine Tendenz die roten Punkte nach und nach aus diesem Zusammenhang zu lösen um sie als freies Material für alle erdenklichen Ideen zu gebrauchen.
Abb.: Fotobearbeitung: Oliver Wetter

 

Mister G
Köln-Garcin.mill.of.oblivion.1999
Köln - In den meist ironischen Selbstinszenierungen des Fotografen Gilbert Garcin scheint die gesamte Bandbreite der menschlichen Komödie angelegt zu sein. Jede seiner minimalistisch gestalteten Fotografien gleicht einem theatralischen Akt auf der obskuren Bühne des Lebens.
Gilbert Garcin ist nicht nur gleichzeitig Regisseur, Bühnenbauer und Fotograf seiner Inszenierungen, sondern zugleich auch der Hauptprotagonist seiner Bilder. Es gibt kaum ein Foto von Garcin, auf dem er selbst nicht zu sehen ist. Stilisiert zu einer Allerweltsfigur in der Tradition eines bieder-komischen Monsieur Hulot durchläuft Garcin seine eigenen Odyssee, in der Gesellschaftskritik, Humor und eine starke Sensibilität für alltägliche Geschichten bestimmend sind.
Köln-Garcin. ONTHEROAD.2011G. Garcin wurde international bekannt durch zahlreiche Ausstellungen, Messebeteiligungen und durch vielfältige Veröffentlichungen und diverse Bücher.
„Hinter meinen Bildern liegen aber keine zu Ende geschriebenen Geschichten“, betont der Künstler, „ich versuche lediglich Räume zu schaffen, in die der Betrachter seine eigenen Vorstellungen projizieren und sein eigenes Abenteuer erfinden kann.“ (Auszüge aus Schwarzweiss Magazin #53, 2006)
Gilbert Garcin wurde 1929 in La Ciotat, Frankreich geboren und lebt in Marseille. Erst nach seinem Rückzug aus dem Geschäftsleben entdeckte er 1993 für sich die Fotografie. Mittlerweile wurden schon fünf Fotobücher mit seinen Arbeiten produziert. Er ist in zahlreichen internationalen Ausstellungen vertreten, auf Fotofestivals und Messen in ganz Europa und den USA präsent. In Deutschland wird er vertreten durch die in focus Galerie, Köln, hier sind seine Arbeiten vom 14. Januar bis 30. März 2012 zu sehen.
Abb.: Gilbert Garcin: oben: mill of oblivion, 1999; unten: ONTHEROAD, 2011

 

Herne

Herne-Oliwia Jankowska_uliczka„2. Europäische Jugendkunstausstellung 2012“
Herne - Nach dem erfolgreichen Start im Kulturhauptstadtjahr wird die Europäische Jugendkunstausstellung fortgeführt. Die Stadt Essen und die Stadt Herne kooperieren.
Das heißt: 1 Projekt - 2 Ausstellungen - 1 gemeinsamer Katalog - 2 Eröffnungen:
Am 27. Januar 2012 (bis zum 12. Februar 2012) auf der Zeche Zollverein XII in Essen.
Am 28. Januar 2012 (bis zum 4. März 2012) in den Herner Flottmann-Hallen.
Für Jugendliche zwischen 14 und 23 Jahren wird ein überregionales Forum geschaffen, das ihnen Raum für die Präsentation ihrer Kunstwerke bietet. Aus den Städten Essen und Herne stellt sich eine neue Generation von angehenden Künstlern vor. In den Kategorien Malerei, Zeichnen, Grafik, Fotografie, Plastiken, Illustrationen und durch weitere künstlerische Techniken greift die 2. Europäische Jugendkunstausstellung nicht nur verschiedene Möglichkeiten der künstlerischen Ausdrucksweise auf, sie besticht obendrein durch ihre Individualität und Vielfältigkeit. Unterstrichen wird diese von polnischen Jugendlichen aus Konin, die im Zuge eines künstlerisch-kulturellen Städteaustauschs den Ausstellungsort Herne wieder mit ihren Werken bereichern.
Abb.: oben von links nach rechts: Laura-Margo Bubolz, Rabbit; Anna Meier, Herner Rathaus; Tabiha Hübner, Affäre; Tim Willi Thomczyk, Gitarre und Bongo; unten: Oliwia Jankowska, Uliczka

 

PATRICK RAMPELOTTO. Adventures in Foam
Wien - Mit einem experimentellen Ausstellungsprojekt des Designers Patrick Rampelotto starten das MAK und die Universität für angewandte Kunst Wien, die neue, umfassende Kooperation ANGEWANDTE KUNST. HEUTE. In Adventures in Foam forscht Rampelotto mit einem ungewöhnlichen Material – Polypropylenschaum – nach neuen Formen und Gestaltungsstrategien. Frei nach Claude Lévi-Strauss orientiert er sich am Begriff der „Bricolage“, der „Bastelei“, als nicht vorgezeichnetem Prozess mit möglichen Abweichungen und kommt zu höchst komplexen Resultaten: Lampenschirmen, Sitzflächen, Gefäßen oder auch Skulpturen, die in Adventures in Foam bereits von ihm entwickelten Designobjekten gegenübergestellt werden.
Patrick Rampelottos Arbeiten sind klug, fein und vielschichtig; sie drängen sich nicht auf, sondern fordern bei ihren BetrachterInnen die Neugier und die Wahrnehmung subtiler Botschaften und Besonderheiten heraus. Anders als Designprodukte, die erst durch ihre Benutzung eine Funktion erfüllen, erzwingen Rampelottos Objekte keine Interaktion, sie laden ein und bieten an. Auch in Adventures of Foam lässt Rampelotto Raum fWien-MAK-Rampelottoür Assoziation und Inspiration, ohne den Anspruch auf ein marktfertiges Endprodukt zu erheben.
Anfang 2010 stieß Rampelotto auf den für seine aktuellsten Arbeiten verwendeten Polypropylenschaum: Er wird mit einer speziellen Maschine erzeugt, die von der Firma Hammerschmid Maschinenbau GmbH in der Nähe von Linz als Pilot zur Herstellung neuartiger Sandwichbauteile für die Maschinen- und Fahrzeugindustrie entwickelt und patentiert wurde. Das Material muss bei einer Temperatur von 140°C binnen Sekunden verarbeitet werden, da es bei Abkühlung rasch erhärtet und formstabil wird. Als einzig bekannte Kunststoffart ist es schäumbar und zugleich lichtdurchlässig. Hammerschmid willigte ein, dem jungen Designer die Maschine samt Techniker zur Verfügung zu stellen. In Folge entwickelte Rampelotto gemeinsam mit seinem Kollegen Fritz Pernkopf den Prototypen für den Hocker pilot, mit einer Sitzfläche aus 3D-Polypropylen in Sandwichbauweise, der heuer auf der internationalen Möbelmesse in Mailand präsentiert und vom belgischen Label Quinze & Milan seriell produziert wird.
Adventures in Foam nahm Rampelotto zum Anlass, künstlerisch frei und abseits eines Produktnutzens mit Polypropylenschaum zu experimentieren. Rampelotto spricht von einer Art „Skizzieren“, auf dessen Basis an der Entwicklung eines Produkts weitergearbeitet werden kann. Beispielsweise sieht er in einem für die Ausstellung entstandenen Lampenschirm Potenzial für eine Serienproduktion, bei der dennoch aufgrund der manuellen Herstellung jedes Objekt ein Einzelstück ergibt.
Viele Arbeiten Rampelottos, der eine strikte Trennung der Disziplinen ablehnt, oszillieren zwischen Designprodukt und Kunstobjekt.1978 in Sterzing, Italien, geboren, studierte Rampelotto zunächst Jus und wechselte dann an die Universität für angewandte Kunst Wien. Während seines Industriedesign-Studiums (2000–2006) beschäftigte er sich mit den Materialien Glas, Silikon und Filz in Verbindung mit traditionellen Fertigungsmethoden und Hi-Tech-Produktion.
Aus den Schriften des französischen Anthropologen und Ethnologen Claude Lévi-Strauss bezieht er wesentliche Inspirationen für seine Arbeitsweise. In dessen Publikation Das wilde Denken (La pensée sauvage,1962) stieß Rampelotto auf den Begriff der „Bricolage“, den mitunter abwertend betrachteten Begriff des „Bastelns“, den er nach seiner Tätigkeit bei der Designfirma EOOS und zahlreichen freischaffenden Entwurfs- und Ausstellungsprojekten nach wie vor als wichtigen Denkanstoß nennt. Ähnlich der Bricolage bei Lévi-Strauss verfolgt Rampelotto eine Designstrategie, in deren Rahmen auch ein Sich-Einlassen auf ein per se nicht zweckbestimmtes, experimentierendes Handeln möglich ist, das gerade durch seine Unmittelbarkeit und Unbestimmbarkeit des Ausgangs zu neuen Ideen und möglichen Lösungsansätzen führen kann.
Die Ausstellung Adventures in Foam begleitet Rampelotto mit einer filmischen Arbeit, die unterlegt mit Originalzitaten aus Das wilde Denken den Designprozess selbst thematisiert und einen Blick hinter die Kulissen der Produktion der Ausstellungsobjekte ermöglicht.
Präsentiert wird die Ausstellung in der MAK-Studiensammlung Möbel vom 25. Januar bis 6. Mai 2012.
Abb.: Patrick Rampelotto, Skizze, 2012, © Patrick Rampelotto

 

Speak to Me - Fotografien von Stefan Heyne
Cottbus - In der zeitgenössischen Fotografie besetzt das Werk des Berliner Künstlers Stefan Heyne (*1965 in Brandenburg) eine unverwechselbare Position. Seine Arbeiten brechen radikal mit Konventionen und vertrauten Sehgewohnheiten des Mediums.
CottbusKlassische Aspekte der Fotografie - Schärfe und Wiedererkennbarkeit - setzt er außer Kraft und macht damit den Weg frei, das Ungewisse zu erkunden. Heynes Bilder werfen Fragen nach dem Verhältnis von Optik und Rezeptions-Psychologie, nach dem Erlernen von Lesbarkeit, dem Verhältnis zwischen Malerei und Fotografie - kurz: nach der Wahrnehmung des Bildes auf. Konsequent setzt er Unschärfe als Gestaltungsmittel ein und hinterfragt damit die Objekte seiner Bildproduktion.
Nur schemenhaft taucht im Licht etwas auf, um in der angrenzenden Dunkelheit wieder zu verschwinden, die abgebildeten Gegenstände belässt Stefan Heyne im Unklaren, stattdessen wird die Leere sein zentrales Motiv.
Die Ausstellung zeigt vom 15. Januar bis 18. März 2012 eine Auswahl von Bildern, die in den letzten vier Jahren entstanden. Sie sind die bisher radikalsten Abstraktionen, die sein Oeuvre hervorgebracht hat. Die meist großformatigen Arbeiten offenbaren, dass die Fotografie, ihrer etymologischen Bedeutung gemäß, eine „Malerei mit Licht“ ist, befreit vom Glauben an die objektive Reproduzierbarkeit der Realität, wie sie dem mit aufklärerischem Denken behafteten Medium bis heute eingeschrieben ist.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Hatje Cantz Verlag: Stefan Heyne. Speak to Me. Gespräch mit dem Künstler von Timothy Persons, Texte von Hubertus von Amelunxen, Stefan Gronert, Karin Irvine, Maren Polte, Hatje Cantz Verlag, 2012.
Abb.: Stefan Heyne: links: 7174, 2010, Fotografie auf Alu-Dibond, 180 x 120 cm; Mitte: 7802, 2010, Fotografie auf Alu-Dibond, 160 x 106 cm; rechts: 9223, 2010, Fotografie auf Alu-Dibond, 60 x 40 cm - alle Abb.: © Stefan Heyne / VG Bild-Kunst, Bonn 2011

 

Ein Wintermärchen. Der Winter in der Kunst von der Renaissance bis zum Impressionismus
Zürich - Vom 10. Februar bis 29. April 2012 zeigt das Kunsthaus Zürich unter dem Titel „Ein Wintermärchen“ den Winter in der Kunst von der Renaissance bis zum Impressionismus. Die rund 120 Werke umfassende Themen-Ausstellung enthält Gemälde von Pieter Brueghel d.J., Jacob van Ruisdael, Francisco de Goya, Kasimir Malewitsch, Claude Monet, Edvard Munch und vielen anderen europäischen Malern. Zum ersten Mal finden Schlitten des österreichischen Herrscherhauses, handgeschnitzt und reich vergoldet, sowie kostbare, flämische Tapisserien ihren Weg in ein Schweizer Kunstmuseum.
Die Mythen, mit Hilfe derer die großen Kulturen die Entstehung der Welt zu erklären versuchten, sind sich meist einig: Der Winter kam als Bestrafung und als Plage auf die Erde. Bis ins Mittelalter brachte sein Einbruch die Versorgung der Menschen und die Gesundheit einer agrarisch geprägten und von der Natur abhängigen Gesellschaft in Gefahr. Sozialem und technischem Fortschritt ist es gedankt, dass der Winter an Bedrohung immer mehr verloren hat. Das Kunsthaus Zürich zeigt denn auch die vergnügliche Seite dieser Jahreszeit und läutet mit dieser Ausstellung den Frühling ein.
Zürich-Monet_ElsterNach der Renaissance aus der Mode gekommen, erlebte die Winterlandschaft im späten 18. Jahrhundert ihre künstlerische Wiedererweckung. Die karge Jahreszeit wird zunächst romantisch verklärt. Später richtet sich der Blick der Maler auf das äußere Erscheinungsbild der winterlichen Farbnuancen. Neben großformatigen Darstellungen der in Eis und Schnee stecken gebliebenen napoleonischen Armee, versunken in Not und Elend, erwarten den Besucher im großen Ausstellungssaal des Kunsthaus Zürich zugefrorene Gewässer, prunkvolle Stillleben und die Freuden der Eisläufer.
Kunsthaus-Direktor Christoph Becker und Gastkurator Ronald de Leeuw präsentieren über Genre- und Landesgrenzen hinweg eine breit gefächerte Auswahl von mehr als 120 Kunstwerken, die zwischen 1450 und den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts in Westeuropa entstanden sind. Neben holländischer Malerei, variantenreichen Landschaftsdarstellungen und impressionistischen Werken finden sich niederländische Monatsallegorien, Szenen winterlicher Feste, Bräuche oder auch Stillleben. Porträts und Interieurs geben Einblick in die jeweiligen Wintermoden und Ausstattungen, mit denen sich die Menschen vor Kälte und Feuchtigkeit zu schützen suchten.
Diese nach Strömungen und Gattungen arrangierte Gemäldeauswahl wird von einer Anzahl kostbarer Objekte ergänzt: großformatige Tapisserien oder ein herrschaftlicher Schlitten, in den lebensgroße Pferde eingespannt sind, Pokale, filigrane Porzellanfiguren und kostbare Steinschnittobjekte illustrieren auf charmante Weise die handwerkliche Meisterschaft, die von den besten Manufakturen ausgeübt wurde, um ihre Auftraggeber zu erfreuen.
Die vielen, in dreijähriger Vorbereitungszeit gemeinsam mit dem Kunsthistorischen Museum Wien erfolgreich verhandelten Leihgaben stammen aus den berühmtesten Museen der Welt, wie Musée d’Orsay, Musée du Louvre (Paris), The Metropolitan Museum of Art (New York), National Gallery (London), Rijksmuseum (Amsterdam) sowie aus privaten Sammlungen und eigenen Beständen. An Gemälde von Pieter Brueghel d.J. reihen sich weitere von Jacob van Ruisdael, Hendrick Avercamp, Jan van Goyen, Aert van der Neer, Jan Francisco de Goya, Kasimir Malewitsch, Claude Monet, Alfred Sisley, Camille Pissarro und Edvard Munch.
Neben diesen bekannten Künstlern gilt das Augenmerk Malern, die einem Publikum außerhalb ihres Geburtslandes selten präsentiert werden und darum spannend zu entdecken oder wiederzusehen sind. Nicht selten überraschen sie mit Motiven, die im Kontext der Ausstellung einzigartig sind. Dazu gehören beispielsweise die monumentalen, vor Eis starrenden Niagarafälle („Chutes du niagara en hiver“, 1857) von Hippolyte-Victor-Valentin Sebron oder das japanisierende Herbstbild „L’automne“ (1902) des Finnen Akseli Gallen Kallela. Edouard Alexandre Odier beschreibt in seinem Gemälde eine Episode des napoleonischen Rückzugs aus Moskau, während sich bei Pierre-Maximilien Delafontaine ein Schlittschuhläufer in siegreicher Pose gebärdet. Hält der Betrachter vor dem Werk des deutschen romantischen Malers Carl Friedrich Lessing („Klosterhof im Schnee“, um 1829) stille Einkehr, taucht er kurz darauf in die turbulente Karnevals-Szene ein, die Johannes Lingelbach um 1650 in Rom angesiedelt hat.
„Wintermärchen“ beginnt in der Renaissance. Es führt den Betrachter durch 400 Jahre Gesellschafts- und Kulturgeschichte, durch schwere wie durch gute Zeiten und entlässt ihn im Frühlingserwachen des Impressionismus.
Zur Ausstellung ist ein Katalog im Verlag Dumont, 400 Seiten, 380 Abbildungen erschienen.
Abb.: Claude Monet, Die Elster, 1868/69, Öl auf Leinwand, 89 x 130 cm, Musée d‘Orsay, Paris, © RMN/Hervé Lewandowski

 

Der schwedische Impressionist - Anders Zorn (1860–1920)
Lübeck-Hamburger Hafen NM
Lübeck - Anders Zorn ist einer der bedeutendsten und berühmtesten Künstler Schwedens. Seinen Zeitgenossen galt der Maler, Grafiker und Bildhauer als „Jahrhundertgenie“, als einer „der besten Künstler unserer Epoche.“
Der 1860 geborene Anders Zorn konnte bereits im Alter von knapp vierzig Jahren auf eine beachtliche internationale Karriere zurückblicken. Ankäufe renommierter Museen, zahllose Auszeichnungen sowie diverse ausländische Akademiemitgliedschaften zeugen vom hohen Ansehen, das Zorn damals in ganz Europa, Russland und den USA genoss. In seiner Heimat hat der Künstler längst einen festen Platz im kunsthistorischen Olymp. In Deutschland dagegen, wo der Schwede um die Jahrhundertwende auf Vermittlung seines Malerfreundes Max Liebermann ebenfalls große Erfolge feierte, gilt es ihn nun wieder zu entdecken. Eine Retrospektive im Lübecker Museum Behnhaus Drägerhaus bietet vom 15. Januar bis 15. April 2012 dazu Gelegenheit.
Lübeck-KyrkvikenMit 100 erstklassigen Arbeiten aus allen Schaffensphasen gibt die Ausstellung einen umfassenden Überblick über Zorns thematisch wie technisch vielfältiges Gesamtwerk. Zu sehen sind nordische Landschaften, Alltagsbeobachtungen aus schwedischen Dörfern und europäischen Metropolen, ausgewählte Porträts sowie schließlich seine berühmten Akte in freier Natur.
Zorns flirrende Aquarelle, insbesondere die eindrücklichen Meeresstudien, sein gleichermaßen delikater wie kraftvoller Pinselstrich in den Ölgemälden sowie schließlich die filigran schraffierten Radierungen faszinierten nicht nur seine Zeitgenossen, sondern beeindrucken durch ihre handwerkliche Virtuosität bis heute. Die lockere, frische Malweise Zorns inspirierte damals vor allem die junge Künstlergeneration. Besonders den deutschen Secessionisten galt Zorn als leuchtendes Vorbild im Kampf gegen die überkommene akademische Malerei, die als gekünstelt und „unnatürlich“ empfunden wurde.
Lübeck-En premiär NMÄhnlich glühende Bewunderer fand der Maler aber auch in den traditionell eher konservativ eingestellten Kreisen der internationalen High Society. Hier reüssierte er mit glamourös-eleganten oder psychologisch einfühlsamen Bildnissen der Reichen, Mächtigen und Schönen dieser Welt. Aus heutiger Sicht können das kosmopolitische Auftreten und die internationalen Vermarktungsstrategien, mit denen sich Zorn in Europa und den USA als gefragter Starmaler etablierte, nur erstaunen. Aber eben auch das war Zorn: ein geschäftstüchtiger Kunst-Unternehmer in eigener Sache, ein erster „Global Player“ der Moderne.
Lübeck-Selbstportrait im WolfspelzDie Retrospektive im Museum Behnhaus-Drägerhaus ist nach knapp einem Vierteljahrhundert hierzulande die erste erneute Auseinandersetzung mit dem schwedischen Künstler. In idealer Ergänzung kann die ständige Sammlung des Museums mit Arbeiten der Skandinavier Edvard Munch und Severin Krøyer eine Brücke zu Zorn schlagen und die Retrospektive mit Werken der deutschen Impressionisten Max Liebermann, Lovis Corinth, Maria Slavona, Gotthardt Kuehl oder Ulrich Hübner flankieren.
Zur Ausstellung erscheint ein reich illustrierter Katalog im Michael Imhof Verlag. Sechs wissenschaftliche Essays vermitteln Einblicke in das Schaffen und künstlerische Selbstverständnis des schwedischen Impressionisten. Aber auch der Künstler selbst kommt zu Wort: Erstmals erscheinen umfangreiche Auszüge aus Zorns autobiografischen Notizen in deutscher Übersetzung.
Kuratorin der Sonderausstellung ist die Kunsthistorikerin Anna-Carola Krausse.
Abb.: Anders Zorn: von oben nach unten: rechts: Hamburger Hafen, 1891, Aquarell, 46,5 x 67 cm, Nationalmuseum, Stockholm. Foto: Nationalmuseum, Stockholm; links: Kyrkviken bei Lidingö, 1883, Aquarell und Gouache, 35,4, x 25,2 cm, Zornmuseet, Mora; rechts: Une Première, 1888, Gouache auf Papier, 76 x 56 cm, Nationalmuseum, Stockholm. Foto: Nationalmuseum, Stockholm; links: Selbstporträt im Wolfspelz, 1915, Öl/Lw., 90 x 58,5 cm, Zornmuseet, Mora. Foto: Patric Evinger

 

Eine starke Begabung: Mathilde Vollmoeller-Purrmann
Neu-Ulm_esm_Vollmoeller-Purrmann_Ausblick auf Collioure
Neu-Ulm – Das Edwin Scharff Museum Neu-Ulm zeigt die begabte Malerin Mathilde Vollmoeller-Purrmann vom 4. Februar bis zum 13. Mai 2012. Sie stand ganz im Schatten ihres bekannten Maler-Gatten, doch das Edwin Scharff Museum holt sie nun in einer umfassenden Ausstellung ans Licht. Die Ausstellung „Ein famoses Talent: Mathilde Vollmoeller-Purrmann“ rückt in Zusammenarbeit mit dem Hans Purrmann-Haus in Speyer eine begabte Malerin in den Mittelpunkt einer Ausstellung, die ihre Künstlerkarriere zugunsten von Ehe und Familie an der Seite des Malers Hans Purrmann zurückstellte. Hans Purrmanns an den Pariser „Fauves“ orientierte, farbstarke Gemälde sind weithin bekannt. In Neu-Ulm werden nun Werke seiner Ehefrau Mathilde Vollmoeller-Purrmann präsentiert, die eine Entdeckung wert sind: Spätimpressionistische Gemälde sowie leuchtende und farbintensive Aquarelle, die den Einfluss der Académie Matisse widerspiegeln. Lange glaubte man, dass ihre Werke unwiederbringlich zerstört seien, doch Ende der 1990er Jahre tauchten zwei Koffer auf. Ihr Inhalt: ca. 360 Gemälde, Aquarelle und rund 2000 Briefe. „Eine starke Begabung“, schrieb das „Berliner Tageblatt“ 1908 anlässlich der Beteiligung Mathilde Vollmoeller-Purrmanns (1876-1943) am Pariser Herbstsalon. Die Ausstellung zeigt die vielversprechenden Anfänge und den Werdegang der in Stuttgart geborenen Avantgarde-Künstlerin. Sie wirft zugleich ein Schlaglicht auf ein exemplarisches Frauen- und Künstlerinnenleben in der Zeit um 1900. Im Zentrum der Ausstellung stehen ca. 70 Werke der Künstlerin und Brief-Freundin Rainer Maria Rilkes, vor allem Landschaften und Stillleben.
Abb.: Mathilde Vollmoeller-Purrmann (1876-1943), Ausblick auf Collioure, Collioure, 1908/09, Öl/Leinwand , 46 x 38 cm, Stadt Speyer, Foto: © Gerhard Kayser, Speyer

 

GUSTAV KLIMT: ERWARTUNG UND ERFÜLLUNG
Entwürfe zum Mosaikfries im Palais Stoclet
Wien - Anlässlich des 150. Geburtstags von Gustav Klimt (1862-1918) rückt das MAK die Entwürfe des Künstlers für den Mosaikfries im Speisesaal des Brüsseler Palais Stoclet ins Zentrum einer Ausstellung (21. März – 15. Juli 2012). Nach mehrjähriger Restaurierung werden die in neun Teilen erhaltenen Entwurfszeichnungen für den Stoclet Fries wieder in der MAK-Schausammlung präsentiert. „Gustav Klimt: Erwartung und Erfüllung. Entwürfe zum Mosaikfries im Palais Stoclet“ gibt außerdem einen Einblick in den Entstehungsprozess dieses weltberühmten Kunstwerks sowie in Klimts Arbeitsweise und widmet sich der Familie Stoclet als wesentlichem Auftraggeber der Wiener Werkstätte.
Wien-MAK-KlimtDas Brüsseler Palais Stoclet wurde von Josef Hoffmann geplant und von ihm unter Beteiligung einer Vielzahl von Mitgliedern der Wiener Werkstätte und deren Umkreis im Sinne eines Gesamtkunstwerks ausgestattet. Über 100 Entwürfe von Josef Hoffmann, Carl Otto Czeschka, Eduard Josef Wimmer- Wisgrill sowie Originalfotografien der Auftragsarbeiten für das Palais Stoclet sind im Wiener-Werkstätte-Archiv des MAK erhalten, die erstmals in dieser Gesamtheit im MAK gezeigt werden.
Der Mosaikfries im Speisezimmer des Palais Stoclet in Brüssel zählt zu den herausragenden Leistungen der Kunst um 1900 und zu den wesentlichen Arbeiten von Gustav Klimt. Die Motive des Mosaikfrieses, darunter Erwartung, Erfüllung und Lebensbaum, fügen sich feinfühlig in das im Jahr 1905 vom Großindustriellen Adolphe Stoclet in Auftrag gegebene Stadtpalais. Die Entwurfszeichnungen zum Stoclet Fries, an denen Klimt um 1910/11 arbeitete, befanden sich ehemals im Besitz der Wiener Werkstätte und stellen heute einen der Höhepunkte der MAK-Sammlung dar.
Die neun Entwurfszeichnungen wurden von Klimt unter Verwendung von Blattgold und Blattplatin auf Transparentpapier und stärkerem Entwurfspapier ausgeführt. Für die Umsetzung in der Wiener Werkstätte und der Wiener Mosaikwerkstätte sind Klimts zahlreiche handschriftliche Anweisungen zu den Materialien sowie zu den Farbnuancen, die der Mosaikfries aufweisen sollte, überliefert. In der Ausstellung werden seine handschriftlichen Notizen und Anweisungen mit ausgeführten Mosaikteilen verglichen, außerdem werden schriftliche Dokumente, die Klimt im Zusammenhang mit dem Fries verfasste, in den Kontext des Friesentwurfs gestellt.
Die jeweils zirka ein mal zwei Meter großen Entwurfszeichnungen Klimts zum Stoclet Fries sind nach erfolgter Restaurierung in einer elf Meter langen klimastabilisierenden und mit speziellem UV-Schutzglas versehenen Vitrine präsentiert, in der eine Hängung der Werkzeichnungen ohne Unterbrechung durch begrenzende Rahmen möglich ist.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, der den Entstehungsprozess des Frieses und die materielle sowie ideologische Aneignung der von Klimt ersonnenen Motive in historischer und kunsthistorischer Hinsicht darstellt. Auch Klimts Rezeption japanischer Malerei im Stoclet Fries sowie die Ausstellungsgeschichte der Entwurfszeichnungen werden ebenso wie die Aufträge der Familie Stoclet an die Wiener Werkstätte eingehend beleuchtet. Mit abwechslungsreichem Programm feiert das MAK mit dem KLIMT DAY am 14. Juli 2012 den Geburtstag des Künstlers.
Abb.: Gustav Klimt, Entwurfszeichnung „Erwartung“, 1910/1911, © MAK/Georg Mayer

 

Ann Veronica Janssens
Münster - Ann Veronica Janssens künstlerische Praxis kann als Forschungsreise in die sinnliche Erfahrbarkeit von Realität verstanden werden. Die in Belgien lebende Künstlerin benutzt unterschiedliche künstlerische Versuchsanordnungen – wie Installationen, Projektionen, urbane Interventionen, Fotografien oder Skulpturen – und lädt den Betrachter ein, neue Grenzbereiche der Wahrnehmung zwischen Schwindel und Blendung zu betreten. Ihre minimalistischen Arbeiten betonen die Flüchtigkeit, Vergänglichkeit und den fragilen Charakter des Sichtbaren.
MünsterDie Verräumlichung des Lichts, blendende Farben, durchscheinend reflektierende Oberflächen tragen dazu bei, die Unbeständigkeit in der Erkennbarkeit von Raum und Zeit zu offenbaren und die Materialität zu destabilisieren. In ihren irritierenden Rauminstallationen findet sie konzeptuelle Annäherungen an Begriffe wie Perzeption, Leere, Materialität/ Immaterialität und Unendlichkeit.
In ihrer Werkschau in der Ausstellungshalle zeitgenössische Kunst Münster reagiert Ann Veronica Janssens auf die besonderen Bedingungen und atmosphärischen Qualitäten der Ausstellungsarchitektur und entwickelt unterschiedliche ortsbezogene Lichtskulpturen und Lichtinstallation mit minimalistischen Objekten. Neben älteren Arbeiten werden auch neue, für den Ort konzipierte Installationen gezeigt. (26. November 2011 – 12. Februar 2012).
Ann Veronica Janssens wurde 1956 in Folkestone (UK) geboren und lebt in Brüssel. In der Vergangenheit war sie in zahlreichen internationalen Ausstellungen vertreten, u.a. bei Unexhibit in der Generali Foundation in Wien, der Manifesta 8 in Nordafrika, der 1. Biennale für Internationale Lichtkunst in Unna, im Museum Morsbroich in Leverkusen, bei UN-SCR-1325 im Chelsea Art Museum in NY. 1999 vertrat sie Belgien bei der 48. Biennale in Venedig. Ihre Arbeiten finden sich internationalen Sammlungen in Spanien, Frankreich und Österreich. In Deutschland wird sie von der Galerie Ester Schipper in Berlin betreut.
Abb.: Blue red and yellow, 2001, © p.Mercé, Courtesy Gallery Esther Schipper

 

Berlin-Seidenstücker

Friedrich Seidenstücker Fotografien 1925-1958 - Von Nilpferden und anderen Menschen
Berlin - Diese erste umfassende Retrospektive zu Friedrich Seidenstücker präsentiert vom 1. Oktober 2011 bis 6. Februar 2012 über 200 Originalfotografien in der Berlinischen Galerie, dem Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur. Beinahe jeder Berliner kennt seine Fotografien. Diejenigen, die sich für die Geschichte ihrer Stadt interessieren, schätzen Seidenstückers atmosphärische Aufnahmen vom Berliner Alltagsleben der Weimarer Republik. Unter den Tier- und Zooliebhabern erwarb er sich mit seinen einfühlsamen Tierstudien einen geradezu legendären Ruf, und für die Historiker sind seine eindringlichen Aufnahmen des zerstörten Berlin eine kostbare Quelle.
Berlin-Seidenstücker_Ohne Titel 1945_30013293-rAuch wenn Seidenstücker als typischer Berliner Fotograf gilt, ist er doch auch weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Nicht zuletzt deshalb, weil er sich um eines ganz besonders verdient gemacht hat: Seine Bilder zeugen von Humor, und den findet man in der Fotografie selten. Aus dieser Haltung heraus hat sich das Werk von Friedrich Seidenstücker entwickelt. Es ist von Optimismus getragen, ohne die Zumutungen und Härten, ohne die Armut und das Elend der Zeit zu verschweigen. Seidenstücker konzentrierte sich auf das Alltagsleben der kleinen Leute, welches er mit sensiblem Blick so in Szene setzte, dass dahinter Charakteristisches der menschlichen Natur sichtbar wird.
Berlin-Seidenstücker-Ohne Titel 1950er-Jahre_86098-rWährend sein fast zoologisches Interesse für die Tierwelt dazu führte, dass er seine Fotografie im Zoo mit methodischer Gründlichkeit anging, kann man davon ausgehen, dass seine Straßenfotografie eher zufällig nach dem Lustprinzip entstand. Ähnlich scheint es mit den Landschafts- und Aktaufnahmen gewesen zu sein.
Neben einer kleinen Gruppe von späten Aktfotografien, die als Farbdiapositive vorlagen, gliedert sich die Ausstellung in vier weitere Kapitel: Straßenfotografie, Tierfotografie, Landschaftsfotografie und Berlin nach 1945. Alle 226 ausgestellten Aufnahmen sind Vintage Prints bis auf 21 Neuprints.
Mit der Retrospektive setzt die Berlinische Galerie ihre erfolgreiche Ausstellungsreihe fort, die ausgehend von den Beständen der Sammlung das Werk von großen Fotografen des Zwanzigsten Jahrhunderts wissenschaftlich erschließt und einem breiten Publikum zugänglich macht. Vorausgegangen sind Ausstellungen zu Heinrich Zille, Erich Salomon, Fritz Kühn und Herbert Tobias.
Abb.: Friedrich Seidenstücker: oben von links nach rechts: Ohne Titel (Pfützenspringerin), um 1930, ©bpk / Friedrich Seidenstücker; Herbst im Zoo, afrikanisches Nashorn, um 1955, Fotografische Sammlung Berlinische Galerie; Neue Reichskanzlei, einer der vielen übergroßen Säle, um 1947, ©bpk / Friedrich Seidenstücker; Vor Wertheim, um 1935, Fotografische Sammlung Berlinische Galerie; Mitte: Ohne Titel, 1945, ©bpk / Friedrich Seidenstücker; unten: Ohne Titel, 1950er Jahre,
©bpk / Friedrich Seidenstücker

 

Römer & Römer: „Otaku“
Karlsruhe-Yoyogipark zur Kirschbluete  2011  Öl auf Leinwand  200 x 250 cm
Karlsruhe - Zum ersten Mal zeigt die Galerie Supper Arbeiten des Berliner Künstlerpaars Römer & Römer, die sich in ihren Bildmotiven mit Impressionen des alltäglichen Lebens beschäftigen (28. November 2011 bis 28. Januar 2012).
Auf zahlreichen Reisen in fernöstliche Länder finden sie ihre Vorlagen und Themen. Zuletzt auf Straßen und Plätzen in Peking, wo sie mit der Digitalkamera in spontanen Fotoserien die für unsere Augen exotisch und fremd wirkenden Alltagsszenen festhielten. Wir begegnen anonymen Menschen, lyrischen oder spielerischen Szenen, unbekannten Architekturfragmenten, nie gezeigten Schauplätzen im Reich der Mitte. Diese digitalen Vorlagen werden von ihnen aufwendig nachbearbeitet, in Farbskalen zerlegt und schließlich in der traditionellen Technik der Ölmalerei mit haptischen Duktus auf die Leinwand übertragen.
Durch die malerische Aufrasterung ihrer meist großformatigen Gemälde in kleine Farbflächen und „gemalte Pixel“ wird der Widerspruch zwischen impressionistischer Tradition und der digitalen Avantgarde unseres Medienzeitalters sichtbar gemacht.
Karlsruhe-Ebisu Brücke in Osaka  2011  Öl auf Leinwand  200 x 250 cmNina Römer (*1978 geboren als Nina Tangian, Moskau) und Torsten Römer (*1968, Aachen) studierten Freie Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf. Beide sind Meisterschüler von Prof. A. R. Penck und arbeiten sie 1998 gemeinsam an all ihren künstlerischen Projekten.
Einzelausstellungen hatten die Künstler unter anderem seit 2007 im Today Art Museum, Beijing / China, dem Gwangju Art Museum, Gwangju / Korea, der Kunsthalle Rostock, der Kunsthalle Dresden, dem Heidelberger Kunstverein und auch in der Galerie Michael Schultz, Berlin / Seoul / Peking.
Teilnahmen an Gruppenausstellungen hatte das Künstlerpaar unter anderem bei der Biennale of Contemporary Art, D-O ARK Underground, Konjic / Bosnien-Herzegowina, der Emergency Biennale in Chechenya – a suitcase from Paris to Grosny, Palais de Tokyo, Paris / Frankreich; Grosny / Tschetschenien, der Liverpool Biennale / England, der Torino Biennale / Italien und der Kunsthalle Baden-Baden.
Abb.: oben: Yoyogipark zur Kirschblüte, 2011, Öl auf Leinwand, 200 x 250 cm; Ebisu Brücke in Osaka, 2011, Öl auf Leinwand, 200 x 250 cm

 

Schattenseiten. August Brömse und Kathrin Brömse
Regensburg-Brömse_Der Schatten
Regensburg - Das Kunstforum Ostdeutsche Galerie in Regensburg präsentiert vom 20. November 2011 bis 26. Februar 2012 die Doppelausstellung „Schattenseiten. August Brömse und Kathrin Brömse.“ Gezeigt werden über 130 Grafiken und Gemälde von August Brömse (1873 - 1925), einem der wichtigsten deutschböhmischen Künstler. Ihnen werden die zeitgenössischen Arbeiten seiner Urenkelin Kathrin Brömse (*1970) gegenüber gestellt. Für beide sind der Mensch und seine existenziellen Erfahrungen zentrale Motive ihrer Kunst. So spannt die Ausstellung einen thematischen Bogen über vier Generationen und ein Jahrhundert hinweg.
Regensburg-O.T. (Zopf)MAILDie Schau stellt das Werk von August Brömse auf Grundlage einer neuen Aufarbeitung des großteils noch unveröffentlichten Nachlasses aus den Beständen des Kunstforums vor. Über 100 Arbeiten auf Papier wie Zeichnungen und Druckgrafik, 30 Gemälde und zahlreiche Temperaskizzen ermöglichen eine intensive Begegnung mit Brömses Arbeit zwischen düsterem Symbolismus und mystischem Expressionismus.
In dem Bestreben, Verborgenes, Düsteres, Bedrückendes, also die Schattenseiten des Menschen sichtbar zu machen, stehen sich August Brömse und seine Urenkelin Kathrin Brömse nahe. Etwa 60 Gemälden und Grafiken der Künstlerin aus dem Zeitraum von 2003 bis heute sind den Werken des Urgroßvaters gegenüber gestellt. Die Ausstellung im Kunstforum ist die bislang größte der in Marburg lebenden Künstlerin.
Regensburg-1339_080902_KOG_5012Zur Schau, die von einem umfangreichen Rahmenprogramm begleitet wird, erscheint ein Katalog (208 Seiten).
Abb.: oben: August Brömse, Schatten, 1925  (Lithografie), ©Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg; August Brömse, Eine Tote, Blatt 12, 1902 (Radierung), ©Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg; Kathrin Brömse, O.T., 2005  (Acryl, Kohle, Asphalt und Schellack), ©Kathrin Brömse, VG Bild-Kunst, Bonn 2011

 

Douglas Gordon und Tobias Zielony im MMK
Frankfurt/Main - Zum Abschluss des Jubiläumsjahres zum 20-jährigen Bestehen des MMK Museum für Moderne Kunst steht das Haus ganz im Zeichen der Fotografie und Videokunst. Die Einzelausstellungen „Douglas Gordon“ (19.11. 2011– 25.3.2012) im MMK Haupthaus und „Tobias Zielony: Manitoba“ (12.11.2011 - 15.1. 2012) im MMK Zollamt erwarten die Besucher im Herbst.
FFM-Zidane_13Douglas Gordon (*1966) zählt zu den wichtigsten und einflussreichsten Künstlern seiner Generation. Neben den großen Film- und Videoinstallationen durch die Gordon bekannt geworden ist, präsentiert das MMK auch Fotografien, Texte und Skulpturen. Ausgangspunkt der Ausstellung ist ein Hauptwerk aus der Sammlung des MMK: „Play Dead. Real Time“ (2003) projiziert auf zwei freistehenden Leinwänden lebensgroße Nahaufnahmen eines Elefanten, der sich mit seinem massigen Körper in einem hellen, leeren Raum bewegt.
Neben bildreichen Foto-Installationen wie „Straight to Hell; No Way Back“ und neuesten Arbeiten der Serie „Self-portrait of You + Me” sind in der Ausstellung drei weitere Videoinstallationen von Gordon zu sehen. Den 2006 entstandenen Film über Zinedine Zidane installiert Gordon im MMK erstmals auf 17 Einzelbildschirmen. Jeder davon zeigt eine andere durch Hochgeschwindigkeitskameras aufgezeichnete Perspektive, wodurch Gordon in Zusammenarbeit mit dem französischen Künstler Philippe Parreno ein Fußballporträt des 21. Jahrhunderts entworfen hat.
FFM-K.364_12010 vollendete Gordon seine Arbeiten an „k.364“, ein Film über Geschichte und Gegenwart anhand einer Reise zweier israelischer Musiker, die Mozarts „Sinfonia Concertante“ (KV 364) aufführen. Aus den Gesprächen auf ihrer Fahrt von Berlin nach Warschau wird deutlich, dass ihre Geschichte und die ihrer Eltern auf vielfältige Weise mit der deutsch-polnischen Beziehung, insbesondere aber mit der Geschichte der Juden in Polen während des Zweiten Weltkriegs verwoben ist.
Premiere hat auch die Videoinstallation „Henry Rebel Drawing and Burning“ im MMK, die gemeinsam mit dem jungen Schauspieler Henry Hopper, dem Sohn von Dennis Hopper, entstand und in der zentralen Halle auf zwei übereinander angeordneten Leinwänden eingerichtet wird. Zu sehen ist eine improvisierte Performance, die existenzielle Zustände des Ausbruchs und der Verletzlichkeit eines jugendlichen Rebellen zeigt.
FFM-TZ_PH_2009_Manitoba_GhostIm MMK Zollamt präsentiert das Museum mit Tobias Zielony (*1973) einen Künstler der MMK-Sammlung, dessen fotografische Arbeiten seit einigen Jahren zunehmend internationale Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Schwerpunkt der Präsentation ist Zielonys neuer Foto-Zyklus „Manitoba“. Die in der Provinzhauptstadt Winnipeg des kanadischen Bundesstaates Manitoba entstandenen Arbeiten geben Einblicke in das Leben von jugendlichen Mitgliedern einer Indianergang und ihr urbanes Umfeld. Neben den globalisierten Kleidungscodes und Gesten der Jugendlichen interessiert sich Zielony besonders für die Geschichte der indigenen Kanadier in ihrem sozio-ökonomischen Zusammenhang. Durch intensive Recherche und Gespräche baut Zielony über einen längeren Zeitraum ein Vertrauensverhältnis zu den Protagonisten seiner Fotografien auf und erhält dadurch Zugang zu ansonsten der Öffentlichkeit verborgenen Orten und Situationen. In Winnipeg durfte Zielony unter anderem im Gefängnis fotografieren, nachdem er ein straffällig gewordenes Bandenmitglied kennengelernt hatte.
FFM-TZ_PH_2009_Manitoba_Selkirk-2_2_Der Geschichte des Ausstiegs aus einer Gang ist der Film „The Deboard“ (2008) gewidmet, der ebenfalls im MMK Zollamt zu sehen ist. „The Deboard“ bezeichnet das Ausstiegsritual, dem sich ein Bandenmitglied unterwerfen muss, um als freier Mann ein neues Leben beginnen zu dürfen. In diesem Film verbindet Zielony eindrucksvoll grobkörnige schwarz-weiß Bilder aus der Lebenswelt des Ex-Häftlings mit dessen eigenen Schilderungen seines Ausstiegs.
Zu beiden Ausstellungen erscheint ein Katalog.
Abb.: von oben nach unten: links: Douglas Gordon & Philippe Parreno, Zidane: A 21 st Century Portrait, 2006 Film still courtesy Anna Lena Films & Naflastrengir; rechts: Douglas Gordon, k.364, © 2011 Studio lost but found; links: Tobias Zielony, Ghost, 2009 -2011; rechts: Tobias Zielony, Selkirk-2, 2009 - 2011

 

RAPPORT - Experimentelle Raumstrukturen von J. MAYER H.
Berlin - Die Ausstellung „RAPPORT. Experimentelle Raumstrukturen“ bietet vom 16. September 2011 bis 9. April 2012 neue Einblicke in den interdisziplinären Ansatz des international renommierten Architekturbüros J. MAYER H. Für die 10 Meter hohe Eingangshalle des Museums hat das Team erstmalig eine begehbare Installation entwickelt. Wände und Boden werden mit Teppich ausgekleidet, der mit schwarz-grauen Datensicherungsmustern bedruckt ist. Die raumgreifende Konzeption der Arbeit hebt die strenge Geometrie des Raumes auf. Die stark vergrößerten und sich wiederholenden Muster erzeugen eine flimmernde Wirkung und verwandeln den White Cube in ein spielerisches Szenario aus in- und auseinanderfließenden Formen und Strukturen. Ergänzende Modelle übertragen das zweidimensionale Muster in eine dreidimensionale Form.
Berlin-JMAYERH_Rapport_LPaffrath_1427Mit „RAPPORT. Experimentelle Raumstrukturen von J. MAYER H.“ setzt die Berlinische Galerie ihre Reihe ortspezifischer Interventionen zeitgenössischer Berliner Grenzgänger-Architekten fort und knüpft hier insbesondere an die Präsentationen von Kuehn Malvezzi (Buchstabenfeld, 2004), von magma architecture (Head-in│im Kopf, 2007) und von Raumlaborberlin (Soft Solution, 2010/2011) an.
Der Titel „Rapport“ ist mehrdeutig zu verstehen. Als Fachterminus aus der Textilherstellung verweist er einerseits auf das serielle Muster der Installation. Der Begriff „Rapport“ bedeutet andererseits im Militärischen „Meldung“ und in der Psychologie zwischen-menschliche Beziehung, in der die Beteiligten etwas zu jemandem tragen. Er verweist damit auch auf das Ausgangsmaterial der Installation: Datensicherungsmuster, die zum Beispiel auf Innenseiten von Briefumschlägen zum Einsatz kommen und hier für vertrauliche Kommunikation zwischen zwei Parteien stehen.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit ausgewähltem Ausstellungs- und Werkverzeichnis des Architekten sowie erläuternden Texten von Thomas Köhler, Ursula Müller, Georg Vrachliotis und einer von Philip Norten kommentierten Biografie.
Der Architekt Jürgen Mayer H. (*1965), Begründer des Berliner Architekturbüros J. MAYER H., ist durch seine innovativen Gebäude, Objekte und Rauminterventionen national und international bekannt geworden. J. MAYER H. arbeitet an der Schnittstelle von Architektur und Kommunikation. Bei der Konstruktion von Raum spielt der Einsatz interaktiver Medien und neuer Materialien eine zentrale Rolle. Sein gerade in Sevilla fertig gestelltes Projekt „Metropol Parasol“ hat in der Fachpresse ein großes Medienecho hervorgerufen.
Die Architektursammlung des Museums dokumentiert die Berliner Architektur- und Stadtplanungsgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts. 1987 als eigenständige Abteilung gegründet, umfasst sie heute neben umfangreichem Aktenmaterial ca. 300.000 Pläne, Zeichnungen und Entwurfskartons, rund 2500 Architekturmodelle und ca. 80.000 Fotografien. Der Bestand umfasst sowohl behördliche Wettbewerbsarchive, Firmen- und Architektennachlässe als auch herausragende Einzelwerke. Die Sammlung hat in den vergangenen Jahren verstärkt Bezug auf die aktuellen Strömungen der Architektur in Berlin genommen. Auch die Ausstellung mit J. MAYER H. hebt diesen Gegenwartsbezug der Berlinischen Galerie hervor.
Abb.: © J. MAYER H., Foto: Ludger Paffrath

 

From Trash to Treasure. Vom Wert des Wertlosen in der Kunst
Kiel-Mouron Rostain Star Trash Jack Nicholson
Kiel - Die Ausstellung From Trash to Treasure. Vom Wert des Wertlosen in der Kunst zeigt vom 5. November 2011 bis 5. Februar 2012 die verschiedenen Wandlungsformen, die das Wertlose und das Liegengelassene durch die künstlerische Geste erfahren. Aus dem Abstoßenden wird das Anziehende, aus dem Schäbigen das Wertvolle und aus dem Bedeutungslosen das Bedeutungsvolle.
Die Abwertung eines Objektes, eines Themas oder einer Situation als Müll ist längst Teil unserer gegenwärtigen Alltagskultur: Im Zuge der letzten Finanzkrise wurde viel von Schrott-Papieren gesprochen, es ist von Müll-Teppichen auf den Meeren, von Weltraumschrott und Trash-Kultur die Rede. Dabei rücken zunehmend Recycling, Umwertung und Umnutzung des als wertlos Definierten in den Fokus.
Die Ausstellung umfasst Werke vom frühen 20. Jahrhundert bis in die Gegenwart, unter anderem von Kurt Schwitters, Dieter Roth und Asger Jorn bis hin zu Tony Cragg, Sylvie Fleury, Bruno Mouron und Pascal Rostain. Einige Arbeiten sind eigens für die Ausstellung in Kiel entstanden. Die Werke zeigen eine Auswahl jener Strategien, die das Weggeworfene künstlerisch umwidmen - und die damit auch Gesellschaftsporträts entwerfen.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.
Abb.: oben: Bruno Mouron & Pascal Rostain, Jack Nicholson, 1996, aus der Serie Star Trash, Lamba Print auf Aluminium, Rahmen, 120 x 220 cm; unten: Sylvie Fleury, Dream, 2003, Mülltonne, 24-karätiges Gold, 35 x 32 x 28 cm, courtesy die Künstlerin und Almine Rech Gallery, Brüssel

 

Zürich-Welti_Landsgemeinde

Kunsthaus Zürich zeigt Albert Welti – Landschaft in Pastell
Zürich - Vom 16. Dezember 2011 bis 4. März 2012 zeigt das Kunsthaus Zürich in einer Kabinett-Ausstellung farbige Landschaften des Schweizer Malers, Grafikers und Zeichners Albert Welti (1862–1912). Der Schüler Arnold Böcklins erhielt zahlreiche nationale Aufträge und ist durch sein Ständeratsbild (Landsgemeinde) landein, landaus bekannt. Seine Bilder thematisieren das Lebensgefühl um die Jahrhundertwende: Übergänge, etwa im Motiv der Brücke, im Zyklus der Lebensalter und in der Darstellung von traumhaften Dämmerungszuständen in der Natur.
Albert Welti war alles Impressionistische verhasst. Nur ungern stellte er seine Pastelle aus. Der größte Teil blieb zeitlebens in seinem Atelier. Nicht einmal seinen besten Freunden soll er seine Farbimprovisationen gezeigt haben. Für ihn waren sie bloß „Pastellnaturskizzen“, bestenfalls Studienmaterial, das seinen Zweck im Hinblick auf die Bildkomposition erfüllte.
Zürich-Welti_WiesenwegDie Nachwelt sieht dies anders. Früh hat das Kunsthaus Zürich das Genie des 1862 in der Zwingli-Stadt Geborenen erkannt. 1912 richtete es Welti eine imposante Gesamtschau ein; die letzte größere Welti-Ausstellung kuratierte Bice Curiger 1984 mit sammlungseigenen Zeichnungen und Grafiken rund um die „Walpurgisnacht“. Zum 150. Geburtstag stehen 45 Pastell-Landschaften, die den Betrachter durch ihre übernatürliche, intensive Farbwirkung unmittelbar ansprechen, im Zentrum des Interesses. Sie halfen Welti, sich vom Einfluss Arnold Böcklins, seinem Mentor und Vorbild, zu befreien und seinen eigenen Weg als Künstler zu finden. In Wahrheit sind diese Improvisationen vollendete Meisterwerke. Die verschiedenen Funktionen der Pastellzeichnung demonstriert Kurator Bernhard von Waldkirch durch eine Auswahl von 25 Studien zu Gemälden und Radierungen – darunter ein Pastell, das als Entwurf für das berühmte Wandbild „Landsgemeinde“ im Ständeratssaal des Bundeshauses diente. Die Werke stammen größtenteils aus dem Nachlass des Künstlers im Museum zu Allerheiligen Schaffhausen, aus dem Kunsthaus Zürich und privaten Sammlungen.
Weltis Kunst ist gekennzeichnet durch die spezifische Stimmung der Jahrhundertwende. Ihre Janusköpfigkeit erweist sich am produktivsten dort, wo seine Bilder einen Übergang thematisieren, etwa im Motiv der Brücke, im Zyklus der Lebensalter und in der Darstellung von traumhaften Dämmerungszuständen. Am unbeschwertesten gibt sich Welti in seinen postimpressionistischen Pastell-Landschaften; hier gelingt es, ohne Rückgriff auf symbolistische Personifikationen, aus einer noch frischen Landschaftsimpression schöpfend, Unbewusstes mitschwingen zu lassen. Mit Vorliebe stellte er das Zwielicht dar, jene Momente in der Natur also, in welchen das Helldunkel restlos in Farbe übergeht. In seinen kühnsten Versuchen betritt Welti das Gebiet der farbigen Improvisation, die, im Gegensatz zu Kandinsky, stets der sichtbaren Welt verpflichtet bleibt.
Zeitlebens schöpfte Welti aus dem volkstümlichen Schatz von Märchen, Sagen und Legenden. Er orientierte sich an der altmeisterlichen Maltechnik und beherrschte die Ikonografie der klassischen Historien- und Landschaftsmalerei. Doch ist seine Bildauffassung in vielen Aspekten der Moderne verpflichtet. Sein kompromissloses Einstehen für die Fantasie öffnet Kanäle zu frühsten Kindheitserinnerungen und leitet über in die Formensprache des Vorbewussten. Aus der Sicht der Hirnforschung ist das Träumen nicht auf den Schlaf beschränkt. Auch im Wachzustand verbinden uns viele Hirnaktivitäten mit den Regionen des Traums: die Übergänge sind auch hier fließend.
Zürich-Welti_EigerwandAlbert Welti wurde 1862 im damals noch ländlichen Zürich-Aussersihl geboren. Sein Vater führte das erfolgreiche Transportunternehmen Welti-Furrer. 1880 begann er eine Fotografenlehre bei seinem Onkel Oswald Welti in Lausanne, die er nach einem Jahr abbrach. Der Vater erlaubte ihm, nach München zu ziehen, um sich dort von 1882-86 an der Akademie zum Maler ausbilden zu lassen. Den ersten Malunterricht erhielt er bei Ludwig von Löfftz, bei dem auch Karl Stauffer-Bern und Lovis Corinth studierten und der ein hervorragender Pastellmaler war. Zum engeren Freundeskreis der Weltis in München gehören Ernst Kreidolf und Wilhelm Balmer. Zwei Jahre verbrachte Welti im Zürcher Atelier von Arnold Böcklin, dem er zeitlebens in Dankbarkeit verbunden blieb. 1894 heiratete er und ließ sich in Höngg (Zürich) nieder. 1892 kam es zur schicksalhaften Begegnung mit dem ostpreußischen Gutsherrn Franz von Doehlau, der den Maler bis zu seinem Lebensende unterstützte. Welti reiste nach Berlin, Breslau, Dresden, Wien, Paris und Venedig. 1901 fiel ihm der Auftrag für die Glasfenster im Treppenhaus des Bundeshauses zum Thema „Die Ostschweizer Textilindustrie“ zu. 1906 hielt sich die Familie in Innertkirchen und Vättis auf, wo zahlreiche Pastelle nach der Natur entstanden. Zu den Bewunderern von Weltis Kunst gehörte Hermann Hesse. 1907 mühte sich Welti mit den Entwürfen zum „Tellenbüebli“ für die 25-Rappen-Briefmarke ab. Um den Auftrag für das Landsgemeindebild im Ständeratssaal des Bundeshauses in Angriff zu nehmen, ließ er sich 1908 in Bern nieder. Die zahlreichen Skizzen, Zeichnungen und Kartons, die Wilhelm Balmer als Wandbild ausführte, beschäftigen ihn bis zum überraschenden Tod im Jahr 1912. Hermann Hesse, der Welti mehrmals besuchte, gibt 1917 eine Monografie über Welti heraus und verfasst das Vorwort.
Die Grafische Sammlung des Kunsthaus Zürich ist mit vier Pastellen und der zeitkritischen Radierung „Die Fahrt ins 20. Jahrhundert“ von Albert Welti in der Ausstellung präsent. Es war Kunsthaus-Direktor Wilhelm Wartmann, der 1912 – im letzten Lebensjahr des Künstlers – dessen ersten Werkkatalog zur Druckgrafik herausbrachte und eine Ausstellung arrangierte. Neben Hodler galt ihm Welti als bedeutendster Schweizer Symbolist. In der Folge erwarb die Zürcher Kunstgesellschaft Weltis komplette Druckgrafik. Heute verfügt das Kunsthaus über den umfassendsten Bestand von Gemälden, Zeichnungen und Grafiken des Meisters und einiger seiner Zeitgenossen. Im Zuge der Kunsthaus-Erweiterung werden adäquate Räume geschaffen, in denen diese grafischen Schätze in kürzeren Abständen als bisher der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können.
Zur Ausstellung erscheint eine Publikation mit 144 Seiten, 66 farbigen Abbildungen und einem Text von Bernhard von Waldkirch.
Abb.: Albert Welti: oben: Entwurf zum Wandbild «Die Landsgemeinde» im Bundeshaus, 1908, Pastell, 21 x 50,7 cm, Privatbesitz; Mitte: Wiesenweg mit Herbstbäumen, um 1895, Pastell, 27 x 22,9 cm, Schaffhausen, Museum zu Allerheiligen; unten: Eigerwand, Pastell, 28,8 x 22,8 cm, Schaffhausen, Museum zu Allerheiligen

 

Von Schönheit und Tod - Tierstillleben von der Renaissance bis zur Moderne
Karlsruhe - Die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe zeigt vom 19. November 2011 bis 19. Februar 2012 eine groß angelegte Sonderausstellung, die zum ersten Mal weltweit die facettenreiche Geschichte der Gattung Tierstillleben vom 16. bis zum 20. Jahrhundert vor Augen führt. Über 120 Gemälde, Aquarelle und Reliefs von berühmten Künstlern wie Dürer, Rubens, Weenix, Chardin, Goya, Manet, Ensor, Kokoschka und Beckmann belegen den Stellenwert des Themas. Neben Werken der eigenen Sammlung bieten rund 90 hochkarätige Leihgaben aus bedeutenden Museen in Amsterdam, Antwerpen, Brüssel, Lissabon, London, Madrid, München, Paris, Stockholm, Wien und Zürich Einblicke in einen faszinierenden Bilderkosmos.
Den Ausgangspunkt für die Konzeption bildet die an Tierstücken reiche, auf die Markgrafen und Großherzöge von Baden zurückgehende Sammlung der Kunsthalle mit Werken von Jan Fyt, Willem van Aelst, Jan Weenix, Nicolas de Largillierre, Jean Siméon Chardin und anderen. Durch die Leihgaben werden diese Werke in einen größeren Kontext gerückt. Der Katalog enthält wissenschaftliche Kommentare zu allen Exponaten und beleuchtet kunst- und kulturhistorische Zusammenhänge.
Karlsruhe-5_Weenix_PfauDie Ausstellung veranschaulicht, wie sich Funktion und Bildsymbolik der Tierstillleben, aber auch der künstlerische Blick auf die wiederkehrenden Motive über die Jahrhunderte veränderten. Neben der enormen stilistischen Bandbreite des Themas sind auch sehr unterschiedliche Aussagen mit den Darstellungen verknüpft: Sie sind sowohl Symbol adeliger Jagdlust, Metaphern für menschliches Leiden als auch Ausdruck sinnlichen Erlebens.
In der Zeit der Renaissance entstanden als Auftragswerke jagdbegeisterter Fürsten die ersten autonomen Darstellungen erlegter, noch im Tod schöner Tiere. Friedrich der Weise von Sachsen etwa bestellte bei seinem Hofmaler Lucas Cranach d. Ä. Dekorationen mit Federwild für seine Jagdschlösser. Die gemalten Trophäen sollten vom Jagdglück des Auftraggebers zeugen. Gleichzeitig fanden sie mit vielschichtiger metaphorischer Bedeutung Eingang in Cranachs Historienbilder. Dürer hingegen wandte sich der Tierdarstellung in seiner frühen Studie einer erlegten Ente mit wissenschaftlicher Neugier zu und stellte das Federkleid des Tieres bis ins Detail dar.
Vorläufern wie Cranach folgend, entwickelte sich Ende des 16. Jahrhunderts die Gattung des Tierstilllebens, die ihre erste Blüte in Flandern erlebte, dann von den Holländern des „Goldenen Zeitalters“ im 17. Jahrhundert aufgegriffen und zugleich markant verändert wurde. Werke von Künstlern aus den südlichen und nördlichen Niederlanden bilden zwei wichtige Schwerpunkte in der Ausstellung. Weitere Akzente liegen auf Werken der französischen Malerei des 18. Jahrhunderts, auf dem Umbruch zur Moderne um 1800 sowie auf den Tierstillleben der Impressionisten und Expressionisten im 19. und 20. Jahrhundert.
Die als Überblick angelegte Themenausstellung macht deutlich, wie sehr sich der Umgang mit den tradierten Motiven veränderte. Zudem werden über Jahrhunderte hinweg Verwandtschaften sichtbar: Courbet zeigte sich von der naturalistischen Malweise und Kompositionskunst eines Jan Weenix beeindruckt, Manet setzte sich seiner Darstellung eines toten Uhu mit Chardin, aber auch dem Trompe-l’œil, der seit der Antike immer wieder aufgegriffenen illusionistischen Malerei auseinander, Soutine knüpfte mit seinen Bildern an Werke Goyas an. Bei den beiden Letzteren werden die geschlachteten Tiere zu Metaphern für menschliches Leiden.
Jenseits aller Bedeutung stellte die Gattung Tierstillleben eine Herausforderung für Maler aller Epochen dar. Ob mit den Mitteln naturalistischer Augentäuschung oder freier Expression: Es ging immer auch um virtuose Malerei. Erst in der Zusammenschau der Bilder aus unterschiedlichen Epochen werden die malerischen Verwandtschaften zwischen den Gemälden sichtbar.
Kuratoren der Ausstellung: Dr. HolgerJacob-Friesen und Dr. Markus Lörz.
Begleitend zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog im Kehrerverlag mit zahlreichen Beiträgen.
Abb.: Jan Weenix, Der weiße Pfau, 1693, Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste, Wien

 

Alfred Sisley – der Impressionist
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Wuppertal - Zeit seines Lebens hat sich Alfred Sisley um die französische Staatsbürgerschaft bemüht – vergeblich. Aber obwohl der in Paris geborene Sohn britischer Eltern nie einen französischen Pass bekam, wird er wie selbstverständlich mit Monet, Renoir, Degas, Pissarro in einem Atemzug genannt. Er gilt heute als einer der wichtigsten Künstler des französischen Impressionismus. Umso erstaunlicher ist, dass Sisley in Deutschland nie eine große Einzelausstellung gewidmet wurde. Deshalb zeigt das Von der Heydt-Museum im Herbst 2011 vom 13. September 2011 bis 29. Januar 2012 nach den großen Ausstellungen zur „Schule von Barbizon", zu Renoir, Monet und Bonnard die erste große Sisley-Ausstellung in Deutschland.
1839 geboren und damit ein Jahr älter als Monet und zwei Jahre älter als Renoir, studierte Sisley 1857 in London Wirtschaftswissenschaften und bewunderte dort das Werk von William Turner und John Constable. Von 1860 bis 1863 studierte er in Paris im Atelier des Schweizer Malers Charles Gleyre, wo er mit Monet und Renoir Freundschaft schloss. Da seine Gemälde vom offiziellen Salon mehrfach zurückgewiesen wurden, nahm er 1874 an der ersten Impressionisten-Ausstellung teil. Auch in den folgenden Jahren war er häufig mit Monet, Renoir, Pissarro, Degas und Manet zusammen und stellte mit den Impressionisten aus. Als Galeristen waren für Sisley vor allem Durand-Ruel und Georges Petit, die auch die anderen Impressionisten vertraten, tätig. 1880 verließ Sisley die Hauptstadt Paris, um sich mit seiner Familie auf dem Land niederzulassen, zunächst in Veneux-Nadon und ab 1882 in Moret- sur-Loing, wo er 1899 starb.
Wuppertal-12_NewYork_Metropolitan_LePontLaGarenneDas Oeuvre Sisleys umfasst 884 Gemälde, nahezu ausschließlich zauberhafte Landschaften, die er in der Umgebung von Paris malte. Wie Monet malte auch Sisley zum Teil in Serien. So gibt es zahlreiche Bilder, die an den Ufern der Seine entstanden, es gibt eine Reihe von Winterlandschaften, aber vor allem prächtige Frühlings- und Sommerbilder. Weiter gibt es die vielen Ansichten seines Wohnortes Moret-sur-Loing, eine Serie, die, analog zu Monets „Kathedrale von Rouen, die Kirche von Moret-sur-Loing zum Thema hat und die Bildserie „Überschwemmung in Pont-Marly", die er 1872 begann und 1876 noch einmal aufnahm.
Sisley selbst, der sein beträchtliches väterliches Vermögen im Krieg von 1870/71 eingebüßt hatte, lebte in bescheidenen Verhältnissen, aber seine Werke gehören zu den größten Kostbarkeiten des Impressionismus.
Abb.: oben rechts: Alfred Sisley, 11 Bateaux sur la Seine, 1877, London, The Courtauld Gallery, © Foto: Samuel Courtauld Trust, The Courtauld Gallery, London, UK / Bridgeman Berlin; unten links: 12 Le Pont de Villeneuve-La-Garenne, 1872, New York, Metropolitan Museum of Art, © Foto: bpk / The Metropolitan Museum of Art / Malcolm Varon

 

RAY kommt! 2012 feiert Frankfurt/RheinMain 200 Tage lang die Fotografie
Frankfurt/RheinMain - Die Art Collection der Deutschen Börse, die DZ BANK Kunstsammlung, die Darmstädter Tage der Fotografie, das Fotografie Forum Frankfurt, der Frankfurter Kunstverein, das MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main und das Städel Museum haben sich, auf Initiative des Kulturfonds Frankfurt RheinMain, für die neue Foto-Triennale »RAY Fotografieprojekte Frankfurt/RheinMain« zusammengeschlossen.
RAY startet mit einer zentralen Hauptausstellung im April 2012 und durchleuchtet mit weiteren Partnerausstellungen und -projekten bis Oktober 2012 neue Tendenzen im internationalen Fotogeschehen. Inhaltlich verantwortlich für die Hauptausstellung zeichnet das Kuratorenteam Anne-Marie Beckmann (Art Collection Deutsche Börse), Lilian Engelmann (Frankfurter Kunstverein), Peter Gorschlüter (MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main), Dr. Holger Kube Ventura (Frankfurter Kunstverein), Alexandra Lechner (Darmstädter Tage der Fotografie) und Celina Lunsford (Fotografie Forum Frankfurt).
200 Tage lang werden im RheinMain-Gebiet an über 12 Orten herausragende Positionen der Fotografie und Videokunst präsentiert, entdeckt und diskutiert. Der rote Faden durch alle Ausstellungen und Veranstaltungen ist der Begriff der Zeit in der heutigen Fotografie. Welche Bildtraditionen des 20. Jahrhundert sind für die Fotografie und Videokunst relevant geblieben? Wie reflektieren die aktuellen, künstlerischen Bilder neue Entwicklungen und Paradoxien? Und was bedeutet das Vergangene für die Gegenwart der Bilder? Das sind einige Fragen, die »RAY 2012« untersuchen will.
Die Region Frankfurt/RheinMain weist eine hohe Dichte an international anerkannten Institutionen im Bereich der zeitgenössischen Fotografie auf, dazu zählen renommierte Sammlungen, Ausbildungs- und Ausstellungseinrichtungen. Dieses Potential soll künftig durch die im mehrjährigen Turnus wiederkehrende Veranstaltung »RAY Fotografieprojekte Frankfurt/RheinMain« fruchtbar gemacht werden.
RAY-Sprecherin Luminita Sabau über das Projekt: »Frankfurt und Fotografie – eine Geschichte mit Tradition nimmt jetzt Form an. Dass sich so viele hochkarätige Partner zusammengeschlossen haben, verspricht eine interessante Diskussion und zugleich geballte Power für ein Medium, das sich immer wieder neu erfindet. Frankfurt/RheinMain soll zukünftig als Fotografie-Zentrum auf der internationalen Landkarte der Kunst- und Kulturmetropolen fest etabliert werden.«
Das Projekt ist eine Initiative des Kulturfonds Frankfurt RheinMain und wird mit seinen Mitteln ermöglicht. RAY 2012 ist eine Kooperation von Art Collection Deutsche Börse, Darmstädter Tage der Fotografie, DZ BANK Kunstsammlung, Fotografie Forum Frankfurt, Frankfurter Kunstverein, MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main und Städel Museum.