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Galerie Neue Meister - Wiedereröffnung mit Weltkunst aus Dresden
Dresden - Nach vierjähriger Pause und internationalen Gastauftritten kehren die Werke der Galerie Neue Meister in das wiedereröffnete Albertinum zurück. Im 2. Obergeschoss des Gebäudes widmet sich die neue Dauerausstellung fortan mit rund 300 Meisterwerken der Kunst von der Romantik bis zur Gegenwart: von Caspar David Friedrich bis Gerhard Richter und Malern der jüngsten Generation. Museumsdirektor Prof. Dr. Ulrich Bischoff hält zum einen am chronologischen Ausstellungskonzept fest, lässt aber darüber hinaus durch eine Neuanordnung der Bilder die Gegenwartskunst in Dialog mit der Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts treten.
Mit der Wiedereröffnung des Albertinums wurden die besten Rahmenbedingungen für die Betrachtung der Bilder geschaffen. In einer Kombination aus Tages- und Kunstlicht können die Besucher künftig Kunst in schattenlosen Räumen betrachten. Zudem wird die Malerei von der Romantik bis zur Gegenwart in einem einfühlsamen Farbkonzept präsentiert. Mit einem grauen Wandton beginnt der Rundgang und endet in einem gebrochenen Weiß. Damit erleben die Besucher die unterschiedlichen Epochen der Malerei in einem außergewöhnlichen Wechselspiel. Werke zeitgenössischer Dresdner Künstler wie Ralf Kerbach, Eberhard Havekost oder Martin Borowski eröffnen den Rundgang der Galerie Neue Meister. Der erste Raum führt den Besucher in den Entstehungsprozess moderner Malerei ein und zeigt, wie Künstler der Gegenwart ihre Inspiration auch aus der vergangenen Zeit ziehen. Im Zentrum des Raumes steht ein Paar kleinformatiger Bilder: Carl Blechens „Galgenberg bei Gewitterstimmung“, um 1835 und Peter Krauskopfs „Nr. 89/06“ von 2006. Ihre Gegenüberstellung stimmt den Besucher auf die gesamte Zeitspanne des anschließenden Rundganges ein.
Gleich im zweiten Saal trifft der Betrachter auf die Bilder von Caspar David Friedrich, dem bedeutendsten deutschen Künstler der Romantik. Seine unverwechselbaren Gemälde wie „Das Große Gehege bei Dresden“ oder „Zwei Männer in Betrachtung des Mondes“ markieren für die Galerie Neue Meister mit dem Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert den Anfang der Moderne. In chronologischer Folge finden sich dann weitere Dresdner Romantiker von Carl Gustav Carus über Johan Christian Dahl bis Ludwig Richter. Auch die Gemälde deutscher und französischer Impressionisten wie Claude Monet, Edgar Degas und Max Liebermann kehren in neuer Anordnung zurück. In unmittelbarer Nachbarschaft zu den bekannten Bildern von Max Slevogts Ägyptenreise stehen fortan zwei lichtvolle Türskulpturen aus weißem Marmor des zeitgenössischen chinesischen Konzeptkünstlers Ai Weiwei, die fü die Sammlung auf Dauer hinzugewonnen werden konnten.
Mit der Wiedereröffnung des Albertinums widmet die Galerie Neue Meister der expressionistischen Künstlergruppe „BRÜCKE“ einen eigenen Raum. Die „BRÜCKE“ gründete sich 1905 in Dresden. Sie zählt zu den wichtigsten Wegbereitern der Moderne. Fernab von akademischen Zwängen suchten ihre Mitglieder neue Inspirationsquellen, die sie u.a. in der Kunst der Naturvölker fanden. Georg Baselitz hat - eigens um diesen künstlerischen Schaffensprozess für die Besucher zu veranschaulichen – in Zusammenarbeit mit der Galerie Neue Meister Vitrinen mit Objekten aus dem Bestand des Museums für Völkerkunde Dresden zusammengestellt. Neben in Dresden entstanden Hauptwerken der Klassischen Moderne - u.a. von Paula Modersohn-Becker, Otto Dix und Oskar Kokoschka - und der Malerei aus der Zeit des geteilten Deutschlands trägt die neue Dauerausstellung in besonderem Maße den sächsischen Wurzeln der international bekannten Künstler A.R. Penck, Georg Baselitz und Gerhard Richter Rechnung. Alle drei Künstler begannen ihre Karriere in Dresden.
A.R. Penck und Georg Baselitz erhalten erstmals eigene Räume. Zu sehen sind Bilder aus dem bisherigen Sammlungsbestand sowie Neuerwerbungen und Leihgaben, die einen repräsentativen Querschnitt ihres Schaffens vermitteln. Gerhard Richter gestaltete anlässlich der Wiedereröffnung des Albertinums zwei Ausstellungssäle mit eigenen Werken. Der erste Raum ist mit seinen unterschiedlichen Gemälden wie der „Sekretärin“, „Tante Marianne“, Portrait Dr. Knobloch“ oder dem monumentalen Bild „Fels“ als Retrospektive angelegt. Für die Einrichtung des zweiten Raumes schuf Gerhard Richter neue Arbeiten, darunter eine Arbeit aus 42 Hinterglasbildern sowie das Objekt „9 Stehende Scheiben“. Sie feiern mit Eröffnung des Gebäudes ihre Weltpremiere.
„Sediment“ ist der Titel einer Installation des Berliner Künstlers Norbert Radermacher, die im Treppenaufgang zum Georg-Treu-Platz dauerhaft zu sehen sein wird. In Weiß auf weißem Grund besteht die Arbeit aus zwölf Begriffen in fünf Sprachen und ruft dem Besucher die Gefahren ins Gedächtnis, denen Kunst ausgesetzt sein kann: Flut, Gier oder Vergessen, vor denen die Institution Museum schützen soll. Darüber hinaus verweist die Installation auf die unsichtbaren Schätze des Hauses, die im hochwassersicheren Depot aufbewahrt werden. Vor den Augen der Besucher erscheinen - mit Hilfe eines Beamers - in unsystematischer Abfolge Namen der nicht ausgestellten Werke. Die projizierte Nennung der im Depot lagernden, nicht sichtbaren Kunstwerke überlässt es der Fantasie des Betrachters, sich diese Werke auch bildhaft vorzustellen.
Um den Kunstwerken aus dem flutbedrohten Depot Platz zu machen, mussten Thomas Struths Dschungelbilder, zur Flut 2002 abgehängt werden. Die riesigen Fototafeln unberührter Paradiese kehren jetzt zusammen mit Werken von 50 internationalen Künstlern unter dem anspielungsreichen Titel „Das versprochene Land“ ins Albertinum zurück. Mit ihrer ersten Sonderausstellung will die Galerie Neue Meister den Künstlern danken, die nach der Flut 2002 ihre Werke für eine Kunstauktion zugunsten des Albertinums gespendet hatten.* Zugleich stellt die Schau vom 20. Juni 2010 bis zum 29. Mai 2011 weitere zeitgenössische Künstler aus. Die Präsentation fügt sich zu einer bezugsreichen Geschichte vom gelobten Land der Bibel bis zu den „blühenden Landschaften“ der neuen Bundesländer zusammen. „Kunst ist immer ein Versprechen“, sagt Prof. Dr. Ulrich Bischoff, Direktor der Galerie Neue Meister, „die Ausstellung führt dem Besucher vor Augen, wie nah Verheißung und Wunsch dem Zweifel und der Enttäuschung sind.“
Im ersten Raum stecken sieben Kunstwerke mit einem Prolog das Thema ab. Die Dresdner Hochschulabsolventin Sophia Schama liefert das titelgebende Gemälde, eine von der Natur überwucherte Industriehalle. Thomas Struths „Paradise 09“, Neo Rauchs „Sammler“, Sigmar Polkes „Weißer Raum“ und Werke von Candida Höfer, Beate Gütschow sowie Marcel Broodthaers folgen. Der anschließende Sonderausstellungs-Raum von annähernd 1.200 Quadratmetern Fläche ist die neu hinzugekommene Ausstellungsfläche des Albertinums und entfaltet gewichtige nationale und internationale Positionen zeitgenössischer Kunst. Malerei, Fotografie, Objektbilder und Videokunst von Künstlern wie Gotthard Graubner, Piero Dorazio, Richard Paul Lohse, David Claerbout, Peter Piller, John Baldessari, Eberhard Havekost, Ronald de Bloeme, Martin Kippenberger, Rosemarie Trockel oder Katharina Sieverdings werden gezeigt. Sie bilden den Auftakt für das Albertinum als ein Museum der Moderne und neuen Leuchtturm in der deutschen Museumslandschaft.
Die Ausstellung wurde ermöglicht durch hochkarätige Leihgaben einzelner Privatsammler, Unternehmen und Galerien, vor allem aber durch das weitreichende Engagement der Gesellschaft für Moderne Kunst in Dresden e.V. und der Sammlung Rheingold. * Die Kunstschätze der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden wurden 2002 von einer Elbeflut bedroht, mehrere Gebäude in Mitleidenschaft gezogen. Für eine Benefizauktion unter dem Titel „Künstler helfen Alten und Neuen Meistern“ hatten zahlreiche Künstler ihre Werke gestiftet. Am 30.11.2002 wurden auf der Versteigerung in der Neuen Nationalgalerie in Berlin 3,4 Millionen Euro erzielt. Sie bildeten die Grundlage für die Neukonzeption des Albertinums mit einem hochwassersicheren Depot.
Mit Wiedereröffnung des Albertinums kehrt die Dresdner Skulpturensammlung in ihr angestammtes Haus zurück. Bis zum Zweiten Weltkrieg war das Albertinum ein reines Skulpturenmuseum von weltweiter Ausstrahlung.
  So war es Vorbild für Iwan Zwetajew, den Gründer des heutigen Puschkin-Museums in Moskau. Von Zwetajew ist der vielsagende Satz überliefert: „Ich werde glücklich sein, wenn es uns gelingen wird, in Moskau ein kleines Albertinum zu erbauen.“
Die Sammlung wird künftig im Erdgeschoss und im 1. Obergeschoss des Gebäudes zu erleben sein. In der neu hinzugekommenen Eingangshalle am Georg-Treu-Platz begrüßen gleich zwei überlebensgroße Skulpturen die Besucher: Ulrich Rückriems „Ägypter“ aus dem Jahr 2009, geschaffen für das Albertinum, und der „Chronos“ von Balthasar Permoser aus dem Jahr 1695. Im gläsernen Schaudepot kann die grandiose Antikensammlung bewundert werden, bevor diese in wenigen Jahren in der Skulpturenhalle im Semperbau am Zwinger eine neue Heimat finden wird. So erlebt der Besucher beim Betreten des Hauses die Bandbreite der Skulpturensammlung mit Bildhauerarbeiten aus über fünf Jahrtausenden. Zugleich kündigt sich schon hier das gegenüber der Zeit vor dem Umbau veränderte Ausstellungskonzept an: Museumsdirektor Dr. Moritz Woelk schafft gemeinsam mit seinem Kollegen Prof. Dr. Ulrich Bischoff, Direktor der Galerie Neue Meister, ein Museum der Moderne in Dresden. Im Erdgeschoss des Gebäudes findet sich nun statt der früheren Antikenhalle die neue Skulpturenhalle. Hier verteilen sich 125 Meisterwerke auf 1.200 Quadratmetern. Sie laden den Besucher zu einer Zeitreise durch die Geschichte der Skulptur ein: von 1880 bis heute. Die Dauerausstellung in der Skulpturenhalle eröffnen Auguste Rodin und Edgar Degas, die Wegbereiter der Moderne. Rodins berühmter „Denker“ und Degas Balletttänzerin sind erstmals seit vier Jahren wieder zu sehen. Kunst der DDR, die einen wichtigen Bestandteil innerhalb der Skulpturensammlung bildet, wird im Rahmen der neuen Konzeption mit Werken etwa von Wieland Förster, Walter Arnold sowie Herman Glöckner verstärkt vertreten sein.
Neben bekannten Meisterwerken konnte die Dresdner Skulpturensammlung darüber hinaus Arbeiten moderner Bildhauer hinzugewinnen: Per Kirkeby, Barbara Hepworth, Henry Moore oder Tony Cragg. Neu in der Halle sind außerdem Birgit Diekers „Seelenfänger“ und Stephan von Huenes „Sirenlow“, die sich am Ende des Raumes befinden. Beide Künstler experimentieren in ihren Arbeiten mit außergewöhnlichen Materialien und Formen und beziehen sich dabei vor allem auf die Wegbereiter der Moderne. Die neue Präsentation der antiken Skulpturen ist eine der größten Veränderungen im wiedereröffneten Albertinum. In einem riesigen gläsernen Schaudepot sehen die Besucher in der Eingangshalle am Georg-Treu Platz jetzt rund 150 Skulpturen von der Antike bis zum Barock. Sie sollen später in der von Gottfried Semper einst für Skulpturen geschaffenen Osthalle im Semperbau am Zwinger eine dauerhafte Heimat finden, wenn die derzeit dort noch untergebrachte Rüstkammer in das Residenzschloss eingezogen sein wird. Zwei kleinere Schaudepots in Form von beleuchteten Vitrinen, befinden sich an den Schmalseiten im 1. Obergeschoss des Gebäudes. Eines dieser Depots zeigt Skulpturen von der Antike bis zum Barock, das andere solche vom Barock bis zur Gegenwart. Damit werden bislang verborgene Sammlungsschätze den Besuchern nun auf Dauer zugänglich gemacht. Mosaik- und Klingersaal bilden im Albertinum ein symmetrisches Geschwisterpaar. Ursprünglich als Ausstellungsraum für Skulpturen konzipiert, widmet sich der Mosaiksaal mit Skulpturen des Klassizismus nun dem Thema Moral. Hier findet der bekannteste Dresdner Bildhauer des 19. Jahrhunderts Ernst Rietschel (1804-1861) ein neues Zuhause. Seine unzerstörten Originalmodelle des Goethe-Schiller-Denkmals in Weimar oder das große Gussmodell für Rietschels Lessingdenkmal sind nun erstmals dauerhaft in Dresden zu sehen.
Im Klingersaal erwartet die Besucher der „Salon des Symbolismus“, ein von der Skulpturensammlung und der Galerie Neue Meister gemeinsam konzipierter Epochenraum des Fin de Siècle. Hier treten unter anderem Max Klingers Skulptur „Die Neue Salome“ und Franz von Stucks „Das verlorene Bild“ in einen sinnlich-sündigen Kunstdialog. Mit seiner Neukonzeption will der Direktor der Skulpturensammlung, Dr. Moritz Woelk, die moderne Tradition der Dresdner Skulpturen-Sammlung akzentuieren und fortsetzen. Schon früh hatte sich die Sammlung als Vorreiter für den Erwerb zeitgenössischer Skulptur innerhalb der deutschen Museumslandschaft etabliert. Georg Treu, von 1882 bis 1915 Direktor der Dresdner Skulpturensammlung, erwarb Ende des 19. Jahrhunderts mit seinen Kontakten zu bedeutenden Bildhauern wie Auguste Rodin oder Constantin Meunier eine große Anzahl moderner Skulpturen. Damals wie heute befindet sich im Albertinum der umfangreichste Bestand an Rodin-Plastiken in Deutschland.
Abb.: von oben nach unten: links: Albertinum. Kunst von der Romantik bis zur Gegenwart, Lichthof, Foto: David Brandt, 2010, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden; links: Caspar David Friedrich, Das große Gehege bei Dresden, 1832, Öl/Leinwand, 73,5 x 103 cm, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden; rechts: Georg Baselitz, The Bridge Ghost’s Supper, 2006, Öl/Leinwand, 305 x 450 cm, Foto: Jochen Littkemann, Berlin; links: Blick in den A.R. Penck-Raum, Foto: David Brandt, 2010, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden; rechts: Blick in einen der Gerhard Richter-Räume, Foto: David Brandt, 2010, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden; links: Thomas Struth, Paradise 09, Xi Shuang Banna, China, 1999, Sammlung Rheingold, © Thomas Struth; rechts: Das Albertinum, Blick auf die zweigeschossige Brückenkonstruktion über dem Innenhof, Juni 2010, Foto: Steffi Moritz, 2010, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden; links: Schnittperspektive Albertinum (1 Lichthof, 2 Skulpturenhalle, 3 Kunst der Gegenwart, 4 Mosaiksaal, 5 Galerie Neue Meister, 6 Gemäldedeports, 7 Werkstätten), © staab Architekten; links und rechts: Blick in die Skulpturenhalle - rechte Abb. im Vordergrund: Tony Cragg, Stack, 1980, beide Fotos: David Brandt, 2010, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden; rechts: Auguste Rodin, Der Denker, 1881-83 (Vergrößerung 1903), Gips, H.: 183,5 cm, Br.: 97 cm, T.: 148 cm, Foto: Werner Lieberknecht; links: Emil Cimiotti, Daphne, 1961, Bronze, 200 x 70 x 70 cm, Foto: Elke Estel/Hans-Peter Klut; unten: Klingersaal: Kunst des Fin de Siècle, Foto: David Brandt, 2010, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden
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