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Nr. 1 / 2012   ISSN 2191-7248


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DER
MEISTERKREIS
IM KUNSTHOF
SCHLOSS
REINHARZ

AXEL-ALEXANDER ZIESE

Ziese-2012-ae-klein

Fotografie/Computerpainting

 

MICHAEL JANSEN

MK-Jansen-Die Traurigkeit des Blickes

Die Traurigkeit des
Blickes

 

FRITZ MENZ

MK-Menz-Die Wachau

Die Wachau

 

RAIJA WEBER

MK-Weber - Sirenen

Sirenen

 

DIETER KLAAS

MK-Klaas - STOP-1-Detail

Stop (Detail)

 

GISELA BARTELS

MK-Bartels-26-4-2005

26-4-2005

 

MARTA MELNICZUK

MK-Melniczuk-Vor dem Haustor -Aquar-62x44-2010

Vor dem Haustor

 

GERT BEYER

MK-Beyer-10-Detail

ohne Titel (Detail)

 

ANNEMARIE WIESER

MK-Wieser-Paar mit Gerstengrannen

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JAN JULIUS QUAST

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Ostholstein

 

DIETER GROSSMANN

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Computerpainting

 

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Ulm-Ilulissat-Icefjord

Olaf Otto Becker: Northern Traces
Ulm - Atemberaubende Ansichten unberührter Landschaft, im Licht der Nacht fotografiert, ohne Schatten: Der Fotograf Olaf Otto Becker bringt von abenteuerlichen Fahrten über die Eismeere Grönlands oder von Wanderungen quer durch die raue Welt Islands Bilder von überwältigender Schönheit mit. Sie haben in ihrer Ikonografie der Melancholie und Stille etwas von der Erhabenheit romantischer Landschaftsmalerei und sind zugleich durch den unbestechlichen Blick des Forschers und ihre exakte geografische Lokalisierung Zeugnis einer Zeit, in der Gletscher im erwärmten Klima verschwinden.
Ulm12003 bis 2006 fuhr Becker im Schlauchboot 4.000 Kilometer an der grönländischen Küste entlang. Entstanden ist dabei die Bilderserie „Broken Line“ – Fotos von Felsen, tiefschwarzem Wasser und Eisbergen unter sanftem Licht, aber auch von kleinen, ärmlichen Siedlungen. Der daraus hervorgegangene Bildband wurde mit dem Deutschen Fotobuchpreis 2008 ausgezeichnet.
Für sein Projekt „Above Zero“ wanderte Becker in den folgenden zwei Jahren über das Inlandeis Grönlands. Dort fotografierte er einige der unzähligen Gletscherbäche und -flüsse, die ihren Weg durch die Eisreliefs nehmen, bis sie wieder darunter verschwinden.
Sein Projekt „Under the Nordic Light“ zeigt Aufnahmen aus Island. Bereits seit 1999 arbeitet er daran und war zuletzt im Sommer 2011 dafür in Island unterwegs.
Ulm5Olaf Otto Becker arbeitet mit einer Großbildkamera. Seine Bilder fassen die Naturformationen aus kühlen Farben in kalkulierte Kompositionen: Weiß, Grau, intensives Türkis. Sie öffnen die Weite, führen den Betrachter aber auch ganz dicht an die Texturen von porösem Schnee und Eis und die Fließbewegungen des Eises. Beckers bewusst subjektiver Blick geht dabei über die Abbildung der Realität hinaus hin zu Bildern von berückender Klarheit.
Es geht ihm freilich nicht allein um romantische Naturschönheit. Vielmehr versucht er, Künstlerisches mit Dokumentarischem zu verbinden. Er stelle sich beim Fotografieren vor, wie diese Landschaft in fünfzig oder hundert oder gar in fünfhundert Jahren aussehen könnte: „Wie wird sie sich verändert haben? Werden Eis und Schnee vollständig verschwunden sein?“
Schon jetzt sind die Spuren des Klimawandels auf Beckers Grönlandbildern deutlich zu sehen: Das Schneeweiß ist nicht mehr weiß, sondern mit Ablagerungen aus Staub und Ruß gezeichnet; das Abschmelzen des Eises lässt sich an den Oberflächen erkennen. Auch in dieser Menschenleere wird der Einfluss des Menschen auf die Natur deutlich sichtbar. Und so fotografiert Becker auch Ausrüstungsgegenstände und Zelte von Polarforschern, die winzig wirken in der hellen Weite des unendlich scheinenden Polareises.
Ulm3Olaf Otto Becker wurde 1959 in Travemünde geboren. Er studierte Kommunikationsdesign in Augsburg sowie Philosophie und Religionswissenschaften in München. Nach einer Tätigkeit als Kommunikationsdesigner für internationale Konzerne hat er sich inzwischen ganz der Fotografie zugewandt.
Fotoprojekte: 1988-1996 Süddeutsche Agrarlandschaften; 1994-1999 Polaroid; 1994-2002 Wasserfall; 1999-2011 Unter dem Licht des Nordens / Under the Nordic Light, Island; 2003-2006 Broken Line, Grönland; 2007-2008 Above Zero, Grönland.
Präsentiert werden die Arbeiten von Olaf Otto Becker im Stadthaus Ulm vom 11. Dezember 2011 bis 18. März 2012.
Zeitgleich zur Ausstellung erscheint im Hatje Cantz Verlag das neue Buch von Olaf Otto Becker: „Under the Nordic Light. Iceland 1999-2011“, mit Texten von Petra Giloy-Hirtz u.a.
Ulm7„Klimawandel“ ist ein Kulturvermittlungsprojekt für Kinder und Jugendliche zur Ausstellung von Olaf Otto Becker. Das Stadthaus will mit seinen Projekten kulturelle Kompetenz vermitteln und die Fähigkeit zu kreativem Querdenken fördern. Zu dem in Beckers fotografischem Werk präsenten Thema „Klima und Nachhaltigkeit“ wurde ein spannendes Vermittlungsprojekt initiiert: Wie können wir Kinder und Jugendliche nicht nur für Kunst, sondern auch für die Bedeutung von Lebensraum und Umwelt begeistern und sie ermutigen, aktiv an der Gestaltung des - nicht nur kulturellen - Lebens teilzunehmen? Das Stadthaus Ulm konnte das Hans und Sophie Scholl-Gymnasium, die Gustav-Werner-Schule für Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung und Lernschwierigkeiten sowie das Bildungshaus Ulmer Spatz gewinnen.
Ulm6Die Kinder und Jugendlichen beschäftigen sich mit dem Werk des Künstlers und werden selbst künstlerisch aktiv. Zugleich wird das Thema „Umwelt“ im Unterricht, der jeweiligen Altersstufe entsprechend, aufgegriffen. Einige Schüler/innen z.B. erkunden zunächst ihre nähere Umgebung, suchen nach Hinweisen auf Umweltverschmutzung und überlegen, was jeder selbst zum Erhalt der Umwelt beitragen kann. Das Bewusstsein für die Auswirkungen des Klimawandels und nachhaltiges Handeln wird gestärkt. Die entstehenden Arbeiten werden vsl. im März 2012 im Untergeschoss des Stadthauses in einer kleinen Ausstellung präsentiert.
Abb.: von oben nach unten: oben: Ilulissat Icefjord (3 Abb.); links: Oquaatsut 2, 07/2003, 69°20‘18‘‘ N, 51°00‘18‘‘ W ; rechts: Iluslissat Icefjord 5, 07/2003, 69°11’59’’N, 51°08’08’’ W ; links: Iluslissat Icefjord 3, 07/2003 , 69°11’59’’N, 51°14’02’’ W ; rechts:
Iceland 07/2010, Concrete spillway chute, Kárahnjúkar dam; links: Ikerasak, Qarajaqs Icefjord 1, 07/2005 , 70°29‘46‘‘N, 51°18‘14‘‘ W - alle Fotos: Olaf Otto Becker

 

ERSCHAUTE BAUTEN: Architektur im Spiegel zeitgenössischer Kunstfotografie

WienWien - Werke bedeutender zeitgenössischer Künstler und Künstlerinnen eröffnen in „Erschaute Bauten. Architektur im Spiegel zeitgenössischer Kunstfotografie“ ungewöhnliche Perspektiven auf Bauwerke, wie sie in der beauftragten Architekturfotografie nicht zu finden und der alltäglichen Wahrnehmung versagt sind. Basierend auf der Fähigkeit zeitgenössischer Kunst, neue Sichtweisen auf Bestehendes zu liefern, ermöglicht „Erschaute Bauten“ auch einen Blick hinter die Kulissen von Gebäuden. Gleichzeitig thematisiert die Ausstellung in der MAK-Ausstellungshalle die Bedeutung zeitgenössischer Kunstfotografie für das Verständnis von Architektur sowie die wechselseitige Beeinflussung der beiden Kunstrichtungen (7. Dezember 2011 bis 22. April 2012).
Wien-03_CandidaHoefer„Kaum ein Bereich wirkt sich auf unser Leben so nachhaltig aus wie Architektur, Urbanismus und Stadtplanung, bewegen wir uns doch ständig in gebauter Realität. Architektur muss mehr sein als Skulptur gewordene Stadtplanung, sie muss im Alltag funktionieren. Wenn Kunst sich mit gebauter Architektur befasst, sind bestehende Maßstäbe der Architekturlehre für einen Augenblick außer Kraft gesetzt – was uns im betreffenden Moment interessiert, ist der andere, künstlerische Blick auf Bauten und was dahintersteht“, so MAK-Direktor Christoph Thun-Hohenstein zur Intention der Schau.
Wien-06_JoachimKoester_TheKantWalks1Unterteilt in acht Themenkreise – Restaurierung, Reanimation, Wohnen, Utopische Visionen, Dekonstruktion, Fragmentierung, Kritik und Systemanalyse – zeigt „Erschaute Bauten“ in erster Linie Werke der einflussreichsten zeitgenössischen Künstler, die mit ihren Fotografien in den letzten Jahren einen Wandel der Sichtweise und des Stellenwerts der Fotografie bewirkt haben. Sowohl Künstler als auch Ausstellung konzentrieren sich auf Bauten des 20. und 21. Jahrhunderts mit Kultstatus, darunter Werke von Proponenten der Moderne wie Frank Lloyd Wright, Erich Mendelsohn, Berthold Lubetkin und der Tecton Group, Ludwig Mies van der Rohe, Le Corbusier, Philip Johnson und Ernst Plischke sowie zeitgenössischer Architekten wie Frank O. Gehry, Herzog & de Meuron, Kenzo Tange und Peter Zumthor.
Wien-11_WernerFeiersinger_wand_im_atelierEine besondere Bedeutung kommt Rudolph M. Schindler zu, mit dessen Vermächtnis das MAK eine langjährige Beziehung verbindet – nicht zuletzt führte diese zur Gründung des MAK Center for Art and Architecture in Los Angeles sowie des MAK-Schindler-Stipendiaten-Programms in den Mackey Apartments. Erschaute Bauten zeigt, verteilt auf unterschiedliche der acht Themenkreise, als neunte Untergruppe Arbeiten von Künstlern und Künstlerinnen zu Schindlers Architektur.
Künstler und Künstlerinnen erhalten oft Zugang zu Gebäuden, die nicht öffentlich besichtigt werden können; mit ihren Arbeiten vermögen sie etwa auch sozio-ökonomische Prozesse zu offenbaren oder die Auswirkungen der Zeit zu konterkarieren. „Die Zeit übt einen großen Einfluss auf Architektur aus, da der allmähliche Verfall das Erscheinungsbild und die Funktionalität eines Gebäudes verändert. Das Gebäude kann daher ein Schatten dessen sein, was in der Vorstellung des Betrachters existiert, die von Fotografien aus der Zeit kurz nach Fertigstellung des Gebäudes geprägt ist“, gibt Simon Rees, Kurator der Ausstellung, einen Einblick in das Mehr an „Erschauen“, das die einzelnen Ausstellungssegmente ermöglichen. Eröffnet wird auch der Blick dorthin, wo gemeinhin nicht fotografiert wird, etwa auf kleine Details, die in Gesamtaufnahmen legendärer Bauwerke nicht erfasst sind.
Wien-15_JamesWellingErschaute Bauten versammelt Werke von Künstlern und Künstlerinnen weltweit, darunter etliche Fotografen der „Düsseldorfer Fotoschule“, und bietet damit einen internationalen Überblick über Architektur in der Kunstfotografie. Die teilnehmenden Künstler sind: Sabine Bitter & Helmut Weber (AT), Mladen Bizumić (NZ/AT), José Davila (MX), Werner Feiersinger (AT), Andreas Fogarasi (AT/HU), Cyprien Gaillard (FR), Andreas Gursky (DE), Gavin Hipkins (NZ), Candida Höfer (DE), Geoff Kleem (AU), Joachim Koester (DK), Luisa Lambri (IT/ US), Thomas Locher (DE), Marko Lulić (AT), Dorit Margreiter (AT), John Massey (CA), Maix Mayer (DE), Sarah Morris (UK/US), Warren Neidich (US/DE), Sandra Peters (DE), Pia Rönicke (DK), Thomas Ruff (DE), Allan Sekula (US), Thomas Struth (DE), Hiroshi Sugimoto (JP/US), James Welling (US), Jane & Louise Wilson (UK) und Tobias Zielony (DE).
Wien-12_JoseDavilasMit ihrem spartenübergreifenden kuratorischen Ansatz spiegelt „Erschaute Bauten“ auch das Kernanliegen des MAK wider, Kunst, Architektur und Design sowie deren Schnittstellen zu thematisieren, disziplinenübergreifend zu verbinden und zu erforschen, ob – und wie – sie transformiert werden können. Christoph Thun-Hohenstein: „Erschaute Bauten versteht sich als Baustein für einen nachhaltigen Dialog zwischen Kunst und Kultur. Die Ausstellung liefert künstlerische Erkenntnisse zu Kernfragen der Architektur und ist daher mit ihrer Eröffnung nicht abgeschlossen, ganz im Gegenteil: Sie beginnt zu wachsen, indem sie Architekturschaffende und alle anderen Architekturinteressierten zu Reaktionen einlädt, die an die Künstlerinnen und Künstler weitergeleitet werden und diese wiederum zu Gegenreaktionen veranlassen sollen.“
Wien-15_ThomasStruthDieser diskursive Ansatz wird auch in einem umfassenden Rahmenprogramm mit Veranstaltungen für Besucher und Besucherinnen aller Altersgruppen deutlich. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf Diskussionen mit den beteiligten Künstlern und Künstlerinnen sowie Architekten und Architektinnen. Eine interaktive Dialogplattform bietet parallel dazu sowohl Besuchern als auch geladenen Experten die Möglichkeit, die Bedeutung der Ausstellung für die zeitgenössische Kunst und Architektur zu erörtern. Als Teil der Präsentation werden diese Beiträge in ständig aktualisierter Form sicht- und hörbar gemacht und als Archivmaterial für weitere Ausstellungen gesammelt.
Im Rahmen der Ausstellung „Erschaute Bauten“ startet ein erstes Projekt des MAK LERN LABORs, einer Initiative des MAK, die die Vermittlungsarbeit als eigene Form angewandter Kunst untersucht. Bis Ende 2012 erarbeitet das Bildungs- und Führungsteam des MAK gemeinsam mit section.a und trafo.K in drei Pilotprojekten experimentelle Ansätze und einen Kriterienkatalog für die zukünftige Vermittlungsarbeit.
Wien-17_GavinHipkinsIn der Ausstellung „Erschaute Bauten“ kommt ein prototypisches Informations-Möbel zum Einsatz, das den Besuchern weiter führendes Textmaterial zu den acht Ausstellungsbereichen zur Verfügung stellt. Dort finden sich zudem Postkarten von künstlerischen Arbeiten aus der Ausstellung, mit Fragestellungen versehen, die weitere Sichtweisen auf die Künstlerbeiträge zulassen. Die Besucher können diese „Ansichtskarten“ mit einer Nachricht an den Kurator an einer Pinnwand hinterlassen.
Anlässlich der Ausstellung startet das MAK in Zusammenarbeit mit dem Volltext Verlag das mehrmals jährlich erscheinende zweisprachige (dt./engl.) Magazin MAK/zine. Die erste Ausgabe ist der Ausstellung ERSCHAUTE BAUTEN gewidmet und enthält Essays zum Verhältnis von Kunst, Architektur und Fotografie.
Abb.: oben links: MAK-Ausstellungsansicht Exhibition View, 2011, Erschaute Bauten: Architektur im Spiegel zeitgenössischer Kunstfotografie, MAK-Ausstellungshalle , © Wolfgang Woessner/MAK; oben rechts: MAK-Ausstellungsansicht Exhibition View, 2011, Erschaute Bauten: Architektur im Spiegel zeitgenössischer Kunstfotografie, MAK-Ausstellungshalle , im Vordergrund: Andreas Fogarasi, „Untitled (Wise Corners)“, 2010, © Wolfgang Woessner/MAK; von oben nach unten: links: Candida Höfer, „Zoologischer Garten London III 1992“, 1992, © Candida Höfer, Köln, VBK, Wien 2011, courtesy of the artist; rechts: Joachim Koester, „The Kant Walks #1“, 2003–2004, © Joachim Koester; courtesy Sammlung Verbund, Wien; links: Werner Feiersinger, „Ohne Titel (Le Corbusier, Wand im Atelier, Paris)“, 2007, © Werner Feiersinger; courtesy Galerie Martin Janda, Wien; rechts: James Welling, „8067“, 2008, © James Welling; courtesy Galerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder; links: José Davila, „Buildings you have to see before you die“, 2009/2011, © José Dávila / VBK, Wien 2011, courtesy Dani and Mirella Levinas Collection; rechts: Thomas Struth, „Le Lignon (horizontal) Genf“, 1989, © Thomas Struth; courtesy private collection Düsseldorf; links: Gavin Hipkins, „The Trench (detail)“, 1998/2011, © Gavin Hipkins; courtesy of the artist und Hamish McKay Gallery